Als Pati in das Familienhaus von Bögöz aufgenommen wurde, war sie in einem erbärmlichen Zustand. Sie hatte nur die Kleidung, die sie trug, war schmutzig, roch stark, und ihr Kopf war voller Läuse. Zu essen gab es kaum etwas; Eier oder Bratkartoffeln galten als Festessen. Pati und ihre drei Geschwister waren völlig auf sich allein gestellt. Ihre Mutter hatte sie verlassen, nachdem sie einen anderen Mann kennengelernt und mit ihm zwei weitere Kinder bekommen hatte. Die Kinder aus der ersten Beziehung ihres Vaters mussten allein zurechtkommen; ein Schicksal, das man unter Pflegekindern leider oft hört. Der Vater war nur gelegentlich an den Wochenenden zu Hause und hatte schwere Alkoholprobleme; er verstarb im vergangenen Sommer im Alter von nur 42 Jahren.

Das wenige Geld, das es gab, gaben die Kinder oft für Zigaretten und Energydrinks aus. Im bitterkalten Winter froren sie so sehr, dass sie schließlich den einzigen Schrank im Haus verbrennen mussten, um etwas Wärme zu bekommen. Die älteste Schwester, damals 14 Jahre alt, versuchte, die Geschwister mit dem Wenigen zu ernähren, das sie kochen konnte. Es gab keine Unterstützung, keine Schule, keine Hoffnung auf eine sichere Kindheit.

Heute lebt Pati in Bögöz in einem Familienhaus mit zwölf weiteren Kindern, die ohne Eltern aufwachsen müssen. Die meisten von ihnen gehören zur Roma-Minderheit, die in Rumänien stigmatisiert und diskriminiert wird und oft unter schwierigen Lebensbedingungen aufwächst; so wie Patis Familie. Die Kinder werden im Schichtdienst von Betreuerinnen versorgt, wobei Erika die Hauptverantwortliche ist. Die Betreuerinnen sind sehr engagiert und liebevoll, doch ihnen fehlen die Mittel. Es gibt keine psychologische Unterstützung, kaum staatliche Hilfe, und die wirtschaftliche Lage Rumäniens hat sich im letzten Jahr weiter verschlechtert. Notwendige Reparaturen oder Anschaffungen, etwa neue Haushaltsgeräte, werden manchmal von den Betreuerinnen aus ihrem eigenen Mindestlohn bezahlt. Ein ehemaliger Bewohner des Hauses, heute erwachsen, hat kürzlich auf eigene Initiative das Haus neu gestrichen, nachdem es sehr verschmutzt war; Geld dafür gab es keines.

In diesem herausfordernden Umfeld bietet unser Basketballprogramm eine wichtige Möglichkeit, den Alltag zu durchbrechen. Derzeit nehmen neun Kinder aus dem Familienhaus regelmäßig am Training teil. Erika beschreibt die Wirkung des Programms so:

„Sie mögen Basketball, sie mögen die Gemeinschaft. Sie kommen glücklich nach Hause. Jedes Mal, wenn sie irgendwohin mitgenommen werden, machen sie gute
Erfahrungen. Wenn das Training im Winter in den Schulen der Stadt stattfindet, sehen sie andere Schulen; das kann sie motivieren, später selbst eine bessere Schule zu besuchen.“

Durch das Training lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen, miteinander zu arbeiten, Grenzen zu respektieren und Erfolge zu erleben, die ihnen zuvor verwehrt waren; Erfahrungen, die ihr Selbstvertrauen und ihren Blick auf die Zukunft nachhaltig stärken.

Wenn wir vom „Weißen Haus“ sprechen, meinen wir nicht das berühmte Gebäude in Washington; sondern das mitten in Transsilvanien im Herzen von Bögöz. Das ganze Dorf nennt es so; schlicht, weil es weiß angestrichen ist. Doch hinter diesem Haus verbirgt sich eine Geschichte, die viel tiefer geht.

In den 1990er-Jahren bauten engagierte Menschen aus Deutschland, Mitglieder des Vereins „Ein Haus für morgen“ aus Hemmingen, dieses und mehrere ähnliche Häuser in der Umgebung. Ihre Idee war so einfach wie menschlich: Kinder aus dem großen staatlichen Waisenhaus, in dem Vernachlässigung und Trostlosigkeit herrschten und vieles noch an die Zeiten Ceaușescus erinnerte, sollten in Familienhäusern leben dürfen anstatt sie in anonymen Heimen zu verwahren. Rund zehn Kinder zogen daraufhin in Bögöz ein.

Bis vor wenigen Jahren wurde das Haus in Bögöz von einem Ehepaar geleitet. Heute hat sich das Kinderschutzsystem verändert: Die Kinder werden in Schichten von wechselnden Betreuerinnen begleitet. Im Moment leben 13 Kinder im Weißen Haus. Sie alle wachsen ohne ihre Eltern auf. Manche sind Halb- oder Vollwaisen, die meisten stammen aus Familien, die schlichtweg überfordert oder so arm sind, dass sie sich nicht kümmern können. 

Die Kinder leiden darunter. Sie fühlen sich verlassen, allein in der Welt. Die Betreuerinnen sind liebevoll und geben ihr Bestes; oft ohne professionelle Ausbildung, oft ohne Unterstützung vom Staat. Vieles geschieht aus dem Bauch heraus, mit Herz, aber ohne Ressourcen. Es fehlt an allem: psychologischer Hilfe, finanzieller Unterstützung, fachlicher Begleitung, professionelles Knowhow. Der Staat schaut weg; ob aus Unfähigkeit oder Unwillen, wissen wir nicht.

Das Haus selbst ist inzwischen 30 Jahre alt und dringend renovierungsbedürftig. Der Verein existiert nicht mehr. Aber einer der damaligen Mitstreiter, Johannes, hat Robi, ein ehemaliges Heimkind und Bewohner der ersten Stunde, beauftragt, das Haus zumindest von außen neu zu streichen. Robi arbeitete mehrere Tage und heute ist es wieder das Weiße Haus, das seinen Namen verdient.

Auch die Betreuerinnen, die mit Mindestlohn bezahlt werden, greifen in ihre eigenen Taschen, um Boiler zu ersetzen oder Küchenmöbel zu kaufen. Sie müssten das nicht tun, aber sie tun es. Für die Kinder.

Unsere Sozialarbeiterin und Projektmanagerin vor Ort, Eva Andras, hat sich letztes Jahr bei der MOL Stiftung beworben. Eva ist ausgebildete Reittherapeutin und wollte besonders den Kindern aus dem Weißen Haus helfen; Kindern, die keine Stimme haben. MOL stellte ein Budget zur Verfügung, und Eva konnte im Frühling und Sommer mit den Kindern arbeiten.

„Es war nicht leicht, ihr Vertrauen zu gewinnen. Kinder, die sich verloren fühlen, die nie wirklich gesehen wurden, reagieren mit Skepsis.“

Aber Eva blieb dran. Und als der Projektzeitraum vorbei war, war klar: Es muss weitergehen. Nur so können nachhaltige Veränderungen entstehen.

Ob es weitergeht, ist noch unklar. Im Moment fehlt das Budget. Aber wir geben nicht auf. Diese Kinder brauchen uns. Und das Weiße Haus von Bögöz soll auch in Zukunft ein Ort der Hoffnung bleiben.

Das Weiße Haus in Bögöz ist ein Ort voller Herausforderungen. Die Kinder tragen schwere Geschichten mit sich, die Betreuerinnen arbeiten am Limit, das Haus ist in die Jahre gekommen, vieles ist im Argen.

Und dennoch: Wir bleiben dran. Als Basketball Leben sind wir vor Ort aktiv, Woche für Woche. Neun der dreizehn Kinder aus dem Weißen Haus sind Teil unseres Afterschool-Programms und sie lieben es. Sie spielen Basketball, sie lernen zuzuhören, sich zu konzentrieren, sich auszudrücken.

Vielleicht ist das Weiße Haus gerade nicht der Ort, an dem alles gut ist. Aber es ist ein Ort, an dem Menschen nicht aufgeben. Und das allein ist ein Anfang. Ein Anfang, auf dem wir weiter aufbauen; für die Kinder und für ein Morgen, das besser sein darf.


Die Roma sind in Rumänien eine ethnische Minderheit, die häufig diskriminiert und an den äußersten Rand der Gesellschaft gedrängt wird. Laut offiziellen Zahlen gaben sich bei der Volkszählung von 2021 ca. 569 477 Personen als Roma zu erkennen, also etwa 3,4 % der Bevölkerung. Andere Schätzungen sprechen jedoch von deutlich höheren Zahlen; bis zu etwa 1,85 Mio. Menschen oder ca. 8 % der Bevölkerung. (Quelle)

Viele von ihnen gehören zu den ärmsten und am stärksten diskriminierten Gruppen des Landes. Sie leben oft am äußersten Rand der Gesellschaft; sozial, wirtschaftlich und geografisch. Ihre Siedlungen befinden sich häufig in abgelegenen Gebieten, oft in der Nähe von Flüssen, wo es weder elektrischen Strom noch fließendes Wasser gibt. Die Armut ist extrem. Die Behausungen bestehen meist aus improvisierten Materialien: Müll, Holzresten, Plastiktüten; alles, was sich irgendwie zusammenfügen lässt. 

Ein erhebliches Hindernis ist der Zugang zu Bildung: Viele Roma können weder lesen noch schreiben, wodurch z. B. eine legale Arbeitsmigration ins Ausland erschwert wird; oder sie machen solche Schritte ohne Verständnis der Verträge und Bedingungen. Gyula fragt uns kürzlich:

„Könnt ihr mit meinem Arbeitgeber sprechen? Wir wurden nicht genug bezahlt.“

Gyula ist 19 Jahre alt. Über solche Ungerechtigkeiten hören wir immer wieder und überall zeigt sich, wie stark die Kinder durch die Lebensumstände belastet sind.

Laut einer gemeinsamen Studie von UNDP, Weltbank und EU-Kommission leben über 70 % der Roma in Rumänien in Armut und über die Hälfte ohne Zugang zu grundlegender Infrastruktur.

In unserem Projekt arbeiten wir in Bögöz mit Roma-Familien, die heute aktiv ins Dorfleben eingebunden sind. Die Kinder besuchen meist die Schule und haben prinzipiell Zugang zu weiterführender Bildung. Doch oft wird dieser Weg nicht eingeschlagen. Mädchen werden früh verheiratet, Jungen sollen arbeiten, um die Familie zu unterstützen.

Gerade für die Mädchen wollen wir neue Perspektiven schaffen. Wir möchten sie stärken, ihren eigenen Wert zu erkennen, Selbstvertrauen aufzubauen und Mut zu entwickeln, eigene Entscheidungen zu treffen; über ihre Bildung und ihren Lebensweg. Durch Workshops, Sportangebote und Gespräche zeigen wir ihnen Alternativen zu den vorgegebenen Rollenbildern auf. Sie sollen erfahren, dass es Wege gibt, die über das traditionelle Muster hinausführen und dass sie das Recht haben, diese Wege zu gehen.

Nach der Schule bieten wir durch unser Afterschool-Programm gezielte Unterstützung für die Kinder. In unserem Nachhilfeprogramm sitzen die Kinder nach der Schule in kleinen Gruppen, lernen, üben und bekommen Unterstützung; manchmal von ihren eigenen älteren Mitschülerinnen und Mitschülern, manchmal von Rentnerinnen und Rentnern aus dem Dorf, die ihre Erfahrung und Geduld einbringen. So entsteht eine besondere Form des Lernens: Die Kinder verbessern nicht nur ihre schulischen Fähigkeiten, sondern lernen auch, Verantwortung zu übernehmen und miteinander zu arbeiten. Dieses Kinder-für-Kinder- und generationenübergreifende Lernangebot soll das Gemeinschaftsgefühl und das Selbstvertrauen der Kinder stärken.

Für viele Kinder der ungarischen Minderheit ist Rumänisch eine Fremdsprache. Ohne die Landessprache zu beherrschen, sind der Zugang zu weiterführenden Schulen und beruflichen Chancen stark eingeschränkt. Unser gezielter Rumänischunterricht hilft, diese Sprachbarrieren zu überwinden, und eröffnet den Kindern die Möglichkeit, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

In Kisgalambfalva begleiten wir eine Romacommunity, deren Kinder seit Einführung der sozialhilferechtlichen Bedingungen vermehrt die Dorfschule besuchen. Es gibt zwei Klassen für rund 40 Kinder im Alter von 7 bis 16 Jahren. Leider werden viele von ihnen frühzeitig aus dem Unterricht genommen, um arbeiten zu gehen.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist das wöchentliche Basketballtraining mit den Kindern. Es wird angeleitet von Bogi, unserer Sportlehrerin und ehemaligen rumänischen Profibasketballerin. Bogi erinnert sich:

Am Anfang war es eine Katastrophe. Die Kinder spuckten, schrien, zogen sich an den Haaren, schlugen sich – auch mich. Ich hatte Mühe, damit umzugehen. Aber schnell wurde klar: Die Kinder wollen Regeln. Sie sind dankbar, wenn man ihnen Orientierung gibt.“

Heute ist das anders. Die Kinder lernen zuzuhören, zu warten, Emotionen zu kontrollieren und miteinander statt gegeneinander zu spielen.

„Sieh doch, Sandy. Kannst du dich an unser erstes Training erinnern?“ Ich konnte“, erzählt uns Sandy. „Es war sehr laut, chaotisch, intensiv. Heute ist es anders. Begrüßung, Aufmerksamkeit, Respekt und ganz viel Spaß.“ 

Basketball ist dabei nur das Mittel. Es geht um Koordination und Reaktion, soziales Lernen und darum, den Kindern zu zeigen, dass sie gesehen werden. Dass sie zählen. Dass sie eine Zukunft haben. Das sie wichtig sind.


Ein ganzheitliches Programm für Bögöz

Seit 2021 setzt unser Programm „VALYOUNITY“ in Bögöz neben dem Sport verstärkt auf Bildung, Kunst und Kultur. In enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Schule und Kirche haben wir ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das das Bewusstsein der Szekler- und Romajugend für die Vielfalt innerhalb ihrer Gemeinschaft fördert. Ziel ist es, Akzeptanz und Chancengleichheit zu stärken, um die soziale Eingliederung zuvor marginalisierter Mitglieder zu ermöglichen.

Spielerischer Rumänischunterricht

Ein zentrales Element unseres Projekts ist der spielerische Rumänischunterricht. Für die ungarische Minderheit im Szeklerland ist Rumänisch eine Fremdsprache, obwohl es die Amtssprache des Landes ist. Viele Szekler sprechen wenig bis gar kein Rumänisch, da der reguläre Schulunterricht bereits Sprachkenntnisse voraussetzt, die oft nicht vorhanden sind. Hier setzt unser Programm an: Wöchentlich bieten wir spielerischen Rumänischunterricht für die Kinder der Klassen 0 bis 8 an. Durch Spiele, Lieder und interaktive Aktivitäten gestalten wir den Unterricht abwechslungsreich und effektiv. Das Lehrmaterial ist speziell auf die Bedürfnisse und das sprachliche Niveau der Kinder abgestimmt. Qualifizierte Lehrkräfte mit Erfahrung im Fremdsprachenunterricht sorgen dafür, dass die Kinder nicht nur gerne am Unterricht teilnehmen, sondern auch echte Fortschritte machen.

Die Bedeutung von Rumänischkenntnissen

Warum ist Rumänisch so wichtig? In Rumänien ist es entscheidend, die Amtssprache zu beherrschen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, Behördenangelegenheiten zu regeln oder höhere Bildung und gute Arbeitsplätze zu erreichen. Trotz der ungarischen Prägung der Region sind viele Fächer und Studiengänge auf Rumänisch, und auch im Berufsleben ist die Sprache oft unerlässlich. Durch den Rumänischunterricht können die Kinder nicht nur ihre Bildungschancen verbessern, sondern auch ihre beruflichen Perspektiven erweitern.

Förderung von Toleranz und sozialer Verantwortung

Um Toleranz und Akzeptanz innerhalb der Gemeinde zu fördern, setzen wir auf regelmäßige Workshops zur sozialen Verantwortung. Gemeinsam mit einer Schulpsychologin haben wir ein Konzept entwickelt, das durch interaktive Übungen Empathie, Respekt und Verständnis vermittelt. In einer Region, in der Vorurteile und Mobbing leider weit verbreitet sind, schaffen wir so eine Basis für ein harmonisches Miteinander. Besonders wichtig ist dabei die Ausbildung von Peer-Mediatoren: Ausgewählte Schüler

werden darin geschult, Konflikte eigenständig zu lösen und ein positives Schulklima zu fördern. Auch die Eltern werden einbezogen, um durch Informationsveranstaltungen und Workshops das soziale Umfeld der Kinder zu stärken.

Erfolgreiches Schüler-für-Schüler-Nachhilfeprogramm

Einen besonderen Erfolg verzeichnet unser Schüler-für-Schüler-Nachhilfeprogramm. Hierbei unterstützen lernstarke Schüler ihre schwächeren Mitschüler gezielt in eins-zu-eins-Betreuung. Diese Art der Nachhilfe ist für beide Seiten gewinnbringend: Während die lernschwachen Kinder von der individuellen Betreuung profitieren, stärkt die Verantwortung der Nachhilfelehrer deren soziale Kompetenz und Selbstbewusstsein. Der Austausch auf Augenhöhe und in verständlicher Sprache fördert das Lernen auf eine besonders effektive Weise.

Integration durch Sport, Bildung und Kultur

In den ländlichen Regionen des Szeklerlands gibt es kaum spezielle Programme zur Inklusion von Roma und benachteiligten Kindern. Oft wird angenommen, dass Integration schwierig sei. Doch unser Sport-, Kultur- und Bildungsprogramm zeigt, dass ein Miteinander durchaus möglich ist. Die positiven Erfahrungen aus Bögöz bestärken uns darin, das Programm kontinuierlich weiterzuentwickeln und auch auf andere Gemeinden auszudehnen.

In Kisgalambfalva, einem kleinen Ort unweit von Bögöz, leben die Roma-Kinder unter Bedingungen, die für viele unvorstellbar sind: oft ohne Strom und fließendes Wasser, abgeschnitten von der übrigen Dorfgemeinschaft, hinter Hügeln und Bahngleisen. Ihre Häuser sind meist bescheidene Behausungen, ohne Heizung und mit undichten Dächern. Trotz dieser schwierigen Umstände besuchen einige dieser Kinder seit wenigen Jahren die Schule in Kisgalambfalva, was dazu geführt hat, dass die Dorfschule unbeabsichtigt zu einer reinen Roma-Schule geworden ist. Die wenigen nicht-roma Kinder wurden von ihren Eltern auf Schulen außerhalb von Kisgalambfalva geschickt.

Seit kurzem hat sich eine neue Möglichkeit für die Roma-Kinder aufgetan: regelmäßiges Basketballtraining. Bogi, die seit zwei Jahren Trainerin in unserem rumänischen Verein Club Sportiv Bögöz ist, hat sich im Oktober bereit erklärt, einmal pro Woche nach Kisgalambfalva zu fahren, um dort mit den Kindern Basketball zu spielen. Unterstützt wird sie hierbei von Réka, Sportlehrerin an der Schule von Kisgalambfalva. Die Sporthalle ist zwar klein und war zuvor nicht für Basketball ausgelegt, doch im Rahmen unseres Sommercamps 2024, bei dem Münchner Kinder des Basketballclubs Hellenen e.V. nach Bögöz kamen, um unter anderem mit den Roma-Kindern Zeit zu verbringen, wurde die Halle umgestaltet. Gemeinsam wurden Basketballkörbe montiert und Basketballlinien aufgeklebt. Nun gibt es eine kleine, aber feine Basketballhalle in Kisgalambfalva, die bereit ist für richtiges Training. Zudem planen wir, in naher Zukunft einen Schuhschrank einzurichten, damit die Kinder ihre gespendeten Basketballschuhe aufbewahren und bei jedem Training nutzen können.

Die Begegnungen und Interaktionen während des Camps waren intensiv und prägend. Die Münchner Kinder, die ohne Vorurteile und mit einem echten Interesse auf die Roma-Kinder zugegangen sind, haben eine bemerkenswerte Veränderung bewirkt. Ihre Offenheit und Freundschaft haben dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen und Akzeptanz sowie Miteinander zu fördern. Die Münchner Kinder brachten eine Ungezwungenheit und eine unvoreingenommene Haltung mit, die auch von den einheimischen Kinder bemerkt wurde und auf sie übergriff. Es war beeindruckend zu sehen, wie schnell die Münchner Kinder Freundschaften schlossen und sich wirklich für das Leben und die Geschichten der Roma-Kinder interessierten.

Diese Campwoche war besonders: Sie bot nicht nur die Gelegenheit zum sportlichen Austausch, sondern auch die Chance zur Reflexion über soziale Vorurteile und die Bedeutung von Akzeptanz. Die Münchner Kinder haben durch ihre unvoreingenommene Art eine neue Perspektive auf die Roma-Kinder eröffnet und dazu beigetragen, dass auch die einheimischen Kinder eine andere Sichtweise entwickelten. Die Erlebnisse und die neu geschlossenen Freundschaften während dieser Woche haben bewiesen, wie wichtig es ist, Barrieren abzubauen und gemeinsam an einem besseren Verständnis und Zusammenhalt zu arbeiten.

Regelmäßig sammeln Kinder und Familien des BC Hellenen München, dem Partnerverein des Club Sportiv Bögöz, Basketballschuhe für die Kinder in Rumänien. Noch gut erhaltene, aber zu klein gewordene Schuhe werden dort abgegeben und machen sich auf den Weg nach Bögöz – entweder als Gepäck der Projektleiter oder per Post. In Bögöz angekommen, werden die Schuhe an die Basketballkinder verteilt, die oft weder Zugang noch das nötige Geld haben, um sich solche speziellen Schuhe zu leisten.

Warum sind Basketballschuhe so wichtig? Sie bieten Stabilität, Dämpfung und Traktion, was besonders bei den schnellen Bewegungen und Sprüngen im Basketballspiel entscheidend ist, um Verletzungen vorzubeugen.

Für die Kids vor Ort sind die Spenden ein wahres Highlight: Sie schätzen nicht nur den Komfort und die Funktionalität der Schuhe, sondern vor allem den coolen Look. Für Kinder wie Gergö, Iza und Maria ist der Moment, in dem sie neue Schuhe bekommen, etwas ganz Besonderes. Sie wollen die Schuhe am liebsten jeden Tag tragen – sei es beim Spielen, in der Schule oder einfach, um sie stolz vorzuzeigen. Doch die Trainer haben immer wieder die Aufgabe, zu erklären, warum die Schuhe für das Training reserviert bleiben sollten. Gerade, weil in Bögöz auf Asphalt trainiert wird, sind die Sohlen schnell abgenutzt, und neue Spenden werden dringend benötigt.

Hast du gut erhaltene Basketballschuhe, die nicht mehr passen? Dann melde dich gerne bei uns unter sandy@basketball-leben.com. Wir suchen vor allem Schuhe in den Größen 31 bis 40. Jede Spende bringt Freude und hilft, das Basketballprojekt in Bögöz weiter voranzutreiben!

Written by Valts Rozentāls

Natürlich wollten wir stark abschließen und haben am letzten Tag vor der Abreise ein morgendliches Training eingeplant. Dies sollte auch das letzte gemeinsame Training sein – alle zusammen. Man konnte sehen, dass die Woche den Kindern einiges abverlangt hatte und die Energie langsam nachließ. Trotzdem zogen sie das letzte Training durch, und wir konnten die Woche erfolgreich beenden.

Anschließend hatten wir etwas Zeit eingeplant, um einfach zusammen zu entspannen, Spaß zu haben und die Woche Revue passieren zu lassen.

Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg nach Keresztúr, um gegen die Jungen- und Mädchenteams der „Medvek“ (Bären) zu spielen. Es gab ein Spiel für die Jungen und eines für die Mädchen. Beide endeten zu unseren Gunsten, ABER der „Medvek“-Club ist erst ein paar Jahre alt, und man konnte sehen, dass sie bereits eine gute Grundlage haben, auf der sie aufbauen können. Es war insgesamt eine großartige Erfahrung und gute Freundschaftsspiele. Es war schön zu sehen, dass auch die Anhänger der „Medvek“ kamen und ihr Team anfeuerten. Dieses Mal waren wir vorne, aber wir sind sicher, dass dies in den kommenden Jahren ein ausgeglicheneres Spiel werden wird, da das Trainerteam sehr motiviert ist, sich weiterzuentwickeln. Basketball ist eine eng verbundene Gemeinschaft, egal wohin man geht, und so hoffen wir, dass der „Medvek Club“ zu einem großartigen Verein wird und das Basketballspiel in seiner Umgebung fördert.

Als wir wieder in der Pension ankamen, waren Irenke und ihr Team bereits fleißig und hatten das Abendessen für uns im Freien vorbereitet. Ihr berühmter Eintopf als Hauptgericht und traditionelle ungarische Gebäckstücke zum Nachtisch. Alle genießen das Essen, haben eine gute Zeit zusammen, und man kann bereits die Stimmung spüren, die unweigerlich den letzten Stunden in Bögöz entgegenschwebt.

Nach dem Abendessen trafen wir uns zum letzten Mal auf dem Basketballplatz. Diesmal nicht, um zu spielen oder ein Wurfduell zu veranstalten, sondern um uns hinzusetzen, die letzten Worte zu sagen und Abschied zu nehmen. Es wurde zu einer kleinen Feedback-Runde nach einigen kurzen Reden des Orga-Teams. Danach war es Zeit für die Jugendlichen, sich zu verabschieden – nicht ohne ein paar Tränen zu vergießen. In dieser Woche sind wirklich Freundschaften entstanden. Es ist immer ein berührender Moment, wenn man in ihren Gesichtern und Ausdrücken die plötzliche Erkenntnis sieht – das war’s. Die Woche ist vorbei. Erlebnisse und Gefühle werden in unseren Erinnerungen weiterleben, aber jetzt, in diesem Moment, ist die Zeit abgelaufen. Wir verabschieden uns. Und so geht eine weitere Woche unseres rumänischen Abenteuers, voller Emotionen und Freundschaften, zu Ende. Es war ein schöner Traum, aber jetzt ist es Zeit, schlafen zu gehen.

Wir wollen den Moment noch einmal auskosten und den Schlaf hinauszögern. Traditionell ist es Zeit für ein Nachtbasketballspiel und das Schlafen im Freien. Leider fällt das Schlafen im Freien wegen des Regens aus. Wir lassen die Kinder „weiterfeiern“. Sie können wach bleiben und ihre Emotionen und Erlebnisse herauslassen. Morgen erwartet uns nur noch Essen, Packen, noch mehr Essen und die Heimreise. Zuerst mit dem Bus zum Flughafen, dann der eigentliche Flug. Es war eine lange Woche – anstrengend, ja, aber voller Erlebnisse, Emotionen, Freundschaften und Erinnerungen.

Wir sehen den Einfluss dieses Projekts auf die lokale Gemeinschaft. Wir sehen den Einfluss auf die Kinder, die zu Besuch waren. Schritt für Schritt, Tag für Tag – wir verändern die Welt. Nein, nicht die Welt, die du vielleicht im Kopf hast, aber es ist die Welt eines Einzelnen. Eine innere Welt. Voller Perspektiven, Zugehörigkeit und Zukunft. Ein Schritt und eine Welt nach der anderen.

Jumpball
High-Five-Routine
Huddle
Gameday
Nightball
Nightball
Abschied
Abfahrt
Sprachkurs

Written by Valts Rozentāls

Wir hatten eine kurze Diskussion darüber, ob wir heute Morgen das Training machen sollten, da direkt im Anschluss ein 3×3-Turnier anstand. Schließlich entschieden wir uns dafür, um noch einige individuelle Konzepte zu festigen, die im 3×3-Spiel notwendig sind. Während ich das Turnier leitete, bereiteten Miriam, Paul und Sandy ein „Geo-Caching“-Spiel vor.

Das 3×3-Turnier war unglaublich ausgeglichen. Ein Team hatte Pech, da sich ein Spieler verletzte, aber die anderen Teams lieferten sich enge Duelle, oft mit nur 2-3 Punkten Unterschied. Der Wettbewerb blieb bis zum Schluss spannend. Am Ende konnten wir den ersten und letzten Platz klar bestimmen, die restlichen Platzierungen wurden durch Punkte und das +/- Verhältnis nach dem letzten Spiel entschieden.

Nach all dieser Aktivität ließen wir die Kinder sich beim Mittagessen stärken und gaben ihnen etwas Freizeit zur Erholung. Danach teilten wir sie in verschiedene Teams auf und starteten das Geo-Caching. Für diejenigen, die es nicht kennen: Man bekommt einen ersten Hinweis, der zu einem Ort führt, wo man ein Rätsel lösen muss, um den nächsten Hinweis zu finden. Wir setzten ein Zeitlimit von etwa zehn Minuten, um den nächsten Hinweis zu finden. Schaffte es ein Team nicht innerhalb der Zeit, konnten sie den Punkt für den aktuellen Hinweis aufgeben und den nächsten Hinweis erhalten.

Die Teams konnten volle Punkte sammeln, indem sie alle Hinweise fanden und die Rätsel lösten. Am Ende gewann das Team, das von Mark angeführt und von Paul betreut wurde – sie ließen die Konkurrenz weit hinter sich. Paul kommentierte das folgendermaßen:

„Wir waren natürlich ziemlich schnell, weil Mark fast jeden Ort kannte. Die deutschen Kinder ließen ihn schließlich einfach die Führung übernehmen. An einigen Stationen fanden die Deutschen dann doch etwas heraus. Ich bot an, Mark zu bitten, sich etwas zurückzuhalten, aber das störte sie überhaupt nicht. Ich hatte auch das Gefühl, dass sie froh waren, dass wir so schnell fertig waren, weil alle schon ziemlich müde waren. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.“

Es war ein sehr anstrengender Tag, und da wir uns dem Ende der Woche näherten, spürten alle die Müdigkeit. Nach dem Abendessen und einer Dusche war ein wohlverdienter Rest angesagt, um den letzten vollen Tag gut zu überstehen.

3×3
Training in the morning
About suspension bridges
Fresh corn
Searching
Streets of Bögöz
Fresh water from the well

Written by Valts Rozentāls

Es gibt etwas Zauberhaftes an den Morgenstunden hier. Die Sonne geht früh auf, und sobald man erwacht, verspürt man den unwiderstehlichen Drang, ins Sonnenlicht hinauszugehen. Es ist warm, einladend und angenehm. Die Sonnenstrahlen verleihen einem neue Energie, selbst wenn man noch müde ist. Die Müdigkeit, die sich im Laufe der Zeit einschleicht, wird durch das morgendliche Sonnenlicht aufgefrischt – es gibt dem Körper die nötige Kraft, um den Tag zu beginnen.

Heute ist der zweite Tag, an dem wir das Morgentraining ausfallen lassen, und es wird auch der letzte sein. Nach dem Frühstück nahmen Sandy und Nadine einige Kinder mit nach Kisgalambfalva, um Linien auf dem Basketballplatz zu markieren. Das Problem war jedoch, dass es keinen Platz gab, der einem Basketballfeld auch nur annähernd ähnelte. Also mussten sie aus dem Nichts etwas schaffen. Die Optionen waren begrenzt. Die Umrisse zu zeichnen war noch die einfachste Aufgabe; man zog einfach Linien um das, was vorhanden war. Schwieriger wurde es bei der „Zone“ und der „Dreipunktlinie“, da es hierfür in Europa genaue Maße gemäß den FIBA-Regeln gibt. Unser Ziel war es, den Kindern nicht nur „irgendetwas“ beizubringen, sondern die Regeln so präzise wie möglich umzusetzen.

So beschrieb Sandy die Situation:

„Wir maßen und klebten mehrfach, unsere Hände waren ungeschickt, aber fleißig. Die Zone sah merkwürdig aus, also entfernten wir sie auf einer Seite wieder. Ich platzierte die Drei-Punkte-Linie dreimal neu, weil mir die Kurve nicht gefiel. Wir verwendeten Holzblöcke vom Wikinger-Schach, um die Linien mit ruhiger Entschlossenheit fest anzudrücken.“

Nadine ergänzte:

„Es war sehr schön, dass sowohl die deutschen als auch die rumänischen Kinder gemeinsam die Halle gereinigt haben. Die Deutschen hatten mit einem schlechteren Zustand der Halle gerechnet.“

Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg zur Haltestelle. Vielleicht ist es an der Zeit zu erklären, warum es sich um eine „Haltestelle“ und nicht um eine „Station“ handelt. Es gibt hier keine Station im üblichen Sinne – kein Gebäude, kein Dach, keinen Schalter. Nur ein Schild und einige Betonblöcke kennzeichnen die Plattform. Daher handelt es sich um eine Haltestelle. Laut Fahrplan sollte der Zug um 14:55 Uhr eintreffen. Nicht überraschend – dem war nicht so, und Google sagte, er käme stattdessen um 15:12 Uhr. Wir waren uns nicht ganz sicher, aber wir mussten uns auch nicht lange Sorgen machen – wenn man in Rom ist, tut man, was die Römer tun. Wir beobachteten die Menschen, die zur Haltestelle kamen, und sie erschienen tatsächlich um 15:12 Uhr. Also musste das die richtige Zeit sein. Andererseits – wir konnten uns nicht ohne Zug bewegen, oder?

Als wir an der Haltestelle von Kisgalambfalva ankamen, machten wir uns zu Fuß auf den Weg zur Schulhalle, die wir als Basketballplatz umgestaltet hatten.

Am Abend verbrachten wir die Zeit damit, Spiele auf und neben dem Platz mit den Roma-Kindern zu spielen. Für die deutschen Kinder war es eine neue Art der Kommunikation, und es dauerte eine Weile, sich daran zu gewöhnen. Am Vorabend hatten wir ein Briefing gehabt, daher war diese Interaktion zu erwarten.

Wir waren angenehm überrascht und berührt, wie gut sich die deutschen Kinder an die Verspieltheit der jüngeren Roma-Kinder anpassen konnten. Obwohl sie bereits in den Teenagerjahren waren, konnten sie mit den jüngeren Kindern spielen und viel Spaß haben. Sei es bei Basketballspielen, Dribbling und High Fives oder beim Wikinger-Schach – obwohl sie viel größer und stärker waren, spielten sie mit den jüngeren Roma-Kindern, nicht für sie oder getrennt von ihnen. Alle wurden einbezogen. Es ist wirklich eine besondere Eigenschaft, reif genug zu sein, um die Ernsthaftigkeit der Kindheit durch Spielen neu zu entdecken. Wettbewerbsfähig zu sein, aber sanft zu bleiben und gemeinsam Spiele zu gestalten. Es war eine pure Freude, das zu beobachten.

Zum Abschluss des Abends nahm Sandy einige Kinder in einem VW-Bus entlang des „Wild-Kisgalambfalva“. Der Rest von uns fuhr mit dem gelben Bus auf der regulären Route, die sich als weniger regulär herausstellte – die Straße war gesperrt! Wir mussten durch kleinere Straßen fahren und nach dem Weg fragen, da keine Verkehrsschilder vorhanden waren. Irgendwie landeten wir auf einem Schotterweg am Rand des Dorfes, aber das führte uns um die Sperrung herum.

Gerade in diesem Moment erinnerten wir uns, dass wir drei Kinder auf dem Rückweg abholen und zum Abendtraining bringen sollten. Das Problem war, dass wir nicht wirklich mit dem Fahrer kommunizieren konnten, der seine Route A nach B im Kopf hatte. Miriam rief schnell Sandy an, und durch das Telefonat konnten wir dem Fahrer mitteilen, dass er umdrehen und zurück zur Sperrung fahren sollte. Zu unserem Glück waren wir nicht weit entfernt und konnten in ein paar Minuten zurückkehren. Nadine übernahm und lief die gesperrte Straße hinunter, um alle drei Kinder in unseren Bus zu holen. Merkwürdigerweise bemerkten die Kinder nicht, dass sie an einer gesperrten Straße abgeholt werden sollten.

Wir beendeten den Abend fast routinemäßig – Training, Abendessen, Duschen und Feedback-Runde. Als wir fertig waren, blieb uns nur noch, schlafen zu gehen. Die Köpfe waren schwer, Kopf auf das Kissen und wir dösten in die Traumwelt ab.

Cheering
Wikingerschach
High-Five-Routine
Tic-Tac-Toe
Gametime
Iza
Good game

Written by Valts Rozentāls

Heute etwas länger schlafen? Nein, wir trainieren! Danach ein leckeres Frühstück und los geht’s, um den Tag zu erobern. Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir die „Welt des Mini-Transsilvaniens“, etwas außerhalb von Udvarhely. Wir mussten ein wenig warten, also starteten wir eine Runde „der Kreis“. Ein Teamspiel gegen Langeweile.

Ich glaube, niemand in der Gruppe hatte eine Vorstellung davon, was die „Welt des Mini-Transsilvaniens“ genau bedeutet, aber von Anfang bis Ende war es wunderschön. Man beginnt mit dem Schloss von Vlad (ja, der Dracula!) und geht weiter durch größere und kleinere Burgen, Festungen, Kirchen, Abteien, Klöster, Herrenhäuser und sogar eine versunkene Insel mitten im Fluss. Das Spektrum und die Geschichte machen es wirklich interessant und an einem gewissen Punkt wird man sogar überwältigt und versteht – ich muss diesen Ort nochmal besuchen. Eine erstaunliche Erfahrung etwas übder die Geschichte Siebenbürgens in Form von Miniaturmodellen zu erfahren.

Nachdem wir alle Modelle gesehen hatten, durften wir keine Zeit verlieren. Wir mussten pünktlich den Bus zu unserer geliebten Pizzeria erreichen, denn hier wollten wir Mittagessen. Wie es oft so ist – sobald jemand den Bus an der Haltestelle stehen sieht, denkt man, man könnte ihn verpassen. Lösung? Losspurten! Rennen, als ginge es um unser Leben! Zum Glück sprinteten wir nicht wirklich… ich meine, die Gruppe kann ja nur so schnell sein wie die Trainer, richtig? Es bringt das Blut in Wallung, und man kann den klimatisierten Bus noch mehr genießen. Wir bekommen sogar eine Art „Sightseeing-Erlebnis“ aus der Busfahrt, da er nicht direkt zur Haltestelle in der Nähe der Pizzeria fährt, sondern sich Zeit lässt und eine ordentliche Schleife durch die Stadt dreht. Da ist die Kirche, das „Alexandra“ (wie wir sie nennen, es ist eine Konditorei) und die Schule. Leider gibt es das Gebäude, das Internatsschüler beherbergte, nicht mehr. Es ist letztes Jahr eingestürzt und hat ein paar unschuldige Leben mit sich genommen.

Schließlich kommen wir an der Haltestelle in der Nähe des Krankenhauses an. Von dort sind es weniger als fünf Minuten zu Fuß bis wir endlich unseren Hunger stillen können. Dieses Mal waren wir schlauer und schickten Johannes, Paul und Nadine vor, um die ersten Pizzen zu bestellen. Und wieder haben wir sie überrascht – das Personal musste mit dem Besitzer abklären, ob sie die Pizzen für eine Gruppe dieser Größe zubereiten können. Inzwischen hatten wir etwa 90 % ihres Lokals in Beschlag genommen. Am Ende ging alles gut, die Pizza war so lecker wie in unserer Erinnerung – Kinder lieben Pizza.

Zeit für ein bisschen Schwimmen – keine Sorge, wir haben noch etwas Weg vor uns, bis wir dort sind. Im Grunde sind die Jugendlichen immer so hungrig, dass alles, was wir ihnen geben, einfach verdampft und direkt in pure Energie umgewandelt wird. Wirklich eine athletische Gruppe von Kindern. Als wir am Schwimmbad ankommen, hat sich das Essen gesetzt und wir können Spaß im Wasser haben. Trotz des warmen Tages sind nicht viele Leute dort, und wir haben einen ordentlichen Teil des Schwimmbads ganz für uns. Schwimmen, die Sonne genießen, noch mehr schwimmen, springen und alles mit ein bisschen Ballwerfen im Wasser abrunden. Es ist erstaunlich, wie wettbewerbsorientiert es werden kann, wenn man nur zwei Teams bildet und einen Ball wirft. Man braucht nicht einmal Tore oder Körbe.

Jetzt zu einem meiner persönlichen Lieblingsmomente, den ich vielleicht viel zu sehr genieße. Musikbox, Techno und laufen. Irgendwie fehlt uns heute die Zeit. Also rennen wir mit Techno und leichtem Joggen in Richtung Bahnhof. Am Ende denke ich, wir hätten es sowieso rechtzeitig geschafft, aber vielleicht denke ich das auch nur, weil wir es tatsächlich rechtzeitig geschafft haben und warten mussten… wer weiß. Der Zug kommt, und wir steigen ein. Und wieder passiert ein bisschen rumänische Magie. Evi muss in der Stadt aus dem Zug steigen, um zu ihrem Auto zu kommen – sie fährt nicht den ganzen Weg mit uns. Der Haken daran – es gibt keinen Haltepunkt, an dem sie aussteigen könnte. Dann schafft sie es irgendwie, den Lokführer davon zu überzeugen, mitten in der Stadt anzuhalten – ohne Haltestelle, ohne irgendetwas – und sie aussteigen zu lassen, damit sie zu ihrem Auto kommt. Das wäre in Deutschland oder irgendwo anders UNDENKBAR. Aber hier – hier ist der Ort, wo solche Dinge passieren. Und es ist so zufällig, dass es niemandem auffällt, dass es ein außergewöhnlicher Stopp ist.

Den Abend runden wir mit ein wenig Training ab, und zu diesem Zeitpunkt läuft es wirklich gut. Abendessen, Feedback und ab ins Bett.