Busfahren

Und dann ist tatsächlich mal wieder alles anders gekommen, fast so, als hätten wir es vorhergesehen: Unser Busfahrer hat uns versetzt, keine Spur von ihm weit und breit. Vor einer halben Stunde hätten wir Irenkes Hof hätten verlassen sollen, um nach Szentábrahám zu fahren. Wir wollen Sandys Freundin Emese besuchen, die dort Kräuter und Heilpflanzen anbaut. Im Moment sieht es aber nicht so aus, als könnten wir den Hof in nächster Zeit verlassen.

Was tun? In der Pension schauten uns fragende Kinderaugen an – schließlich haben sie schon einiges geschafft heute, haben in der Frühe zwei Mal die Kirche umrundet, drei Stunden auf dem Freiplatz gespielt und ein schnelles Mittagessen verputzt. Jetzt wollen sie los. Obwohl, so richtig stört es sie auch nicht, dass sie noch ein bisschen länger auf dem Trampolin herumturnen können. Vom Bus ist auf jeden Fall immer noch nichts zu sehen, kein Wunder, am Telefon erklärt ein zerknirschter Busfahrer gerade, dass er uns einfach vergessen hat, und jetzt auch leider keinen anderen Bus schicken kann. Und nun? Den Besuch abblasen wollen wir nicht. Taxis für alle – heute fahren deutsche und Szeklerkinder zusammen – würden aber unser Budget sprengen. Und außerdem zeigt sich auch die Taxistation wenig kooperativ: Taxis schicken könne man erst später, im Moment seien alle unterwegs. Weil wir auch nicht so richtig weiterwissen, kaufen wir erst einmal Eis für alle.

In Rumänien kann man sich darauf verlassen, dass auf nichts Verlass ist. Aber auch auf den endlosen Einfallsreichtum und den ungebrochenen Willen, aus jeder Situation das Beste zu machen. Gesagt, getan. Ein paar Dutzend Anrufe später trommelt ein Nachbar seine Mitarbeiter zusammen, lässt sie ihre Autos anschmeißen und uns nach Szentábrahám fahren. Er selbst fährt auch, in seinem eigenen Auto. Aus den fragenden werden große Kinderaugen, es handelt sich dabei nämlich um einen Hummer.

Eine halbe Stunde später stehen wir inmitten eines wilden Kräutergartens und erleben ein vollkommenes Kontrastprogramm zum vormittäglichen Basketball. Wir lernen, wie viele Sorten Minze es gibt, welche Kräuter Krankheiten heilen und wie die Rose von Damaskus riecht. Wir schauen einer dressierten Katze beim Sitzmachen zu, streicheln zottelige Hunde, sortieren Kräuter und packen Tee ab. Und dann geht es auch schon wieder zurück, zum Training.

Dort wartet heute nämlich eine Überraschung auf die Szeklerkinder: zwei neue Trainer, die sich bereiterklärt haben, das Training für das nächste Jahr zu übernehmen. Attila und Szabi haben in Székelyudvarhely vom BC Bögözi Udvar gehört und ihre Hilfe angeboten. Die einzige Bedingung: Sie wollen das Training zusammen übernehmen. Die beiden verstehen sich blind, das sieht man nicht nur ihrem wilden, aber ziemlich genauen Passspiel an. Ihre Ziele für das nächste Jahr: viel trainieren, viel spielen, Übungstourniere veranstalten und zu Auswärtsspielen fahren. Sie haben einiges vor sich, so viel ist sicher. Und wir sind uns sicher, dass sie das Beste aus der Situation machen werden. Nicht nur, weil man das eben so macht in Rumänien. Sondern auch, weil sie ein verdammt motiviertes Team haben werden.

Spielzeit

Die Nacht im Freien steckt ihnen zwar noch in den Knochen – das hält die Kids aber nicht trotzdem nicht davon ab, am Dienstagvormittag voller Elan übers Feld zu sprinten. Vormittags ist Spielzeit. Das heißt, es findet kein Training statt, stattdessen können die Kinder selbst entscheiden, ob sie Shootout, Fußhockey oder ein richtiges Spiel spielen wollen. Das funktioniert soweit ganz gut. Die Sprachbarriere existiert zwar weiterhin, wird aber so gut es geht mit Händen und Füßen umgangen. Und auf dem Feld kann man schließlich auch ohne Worte miteinander kommunizieren.

Am Nachmittag steht dann eine neue Herausforderung an: Wir fahren Zug. Der Zug, der an dem Nicht-Wirklich-Bahnhof von Bögöz hält, der im vergangenen Jahr aber auch mal eine ganze Weile einfach nicht gefahren ist, weil sich kein Betreiber gefunden hat. Heute aber klappt alles. Der Zug kommt pünktlich, der Schaffner gibt uns einen Gruppenrabatt, und eine knappe halbe Stunde später stehen wir schon in Székelyudvarhely. Unser Ziel: Das Schwimmbad.

Das Varosi Strand liegt wie ausgestorben am Rande von Székelyudvarhely. Und das, obwohl die Schule hier erst in der kommenden Woche wieder beginnt. Der Betreiber musste sich auch erst überreden lassen, wirklich für uns zu öffnen. Zu dieser Jahreszeit steht es ihm schon frei, das Freibad zu schließen, wenn das Wetter nicht gut genug ist. Regenwolken sind heute zwar keine am Himmel zu sehen, aber wer weiß schon, ob unsere Definition von gutem Wetter mit der des Freibadbetreibers übereinstimmt. Unsere Sorgen sind aber unbegründet, das Freibad ist geöffnet – nur für uns, wie es scheint. Andere Besucher sehen wir keine. Spiegelglatt liegt die Wasseroberfläche der drei Becken in der Sonne. Natürlich nicht für lang, einen Augenblick später schlagen bereits die ersten kreischenden und vom Beckenrand plumpsenden Kinder hohe Wellen.

Abends steht dann der nächste Programmpunkt auf dem Plan: Das gemeinsame Training. Die Fortschritte der Szeklerkinder machen sich bemerkbar, die Lücken aber auch. Vor allem in der Defensive hapert es noch gewaltig. Also geht es heute vor allem darum, die Verteidigungshaltung zu üben. In langen Reihen quibbern – alle Basketballer wissen, wie anstrengend das ist – Bögözer und Münchner also gemeinsam über das Feld, gleiten vor und zurück, von links nach rechts, hüpfen auf und ab, immer weiter. Großartiger Übersetzungskenntnisse bedarf es keiner, um aus ihren Gesichtern zu lesen: Die Übung finden sie alle gleich furchtbar.

 

Draußen schlafen

Über uns der Mond, um uns herum nur Wald und Wiesen: Die zweite Nacht haben wir nicht in der Pension von Irenke, sondern unter freiem Himmel verbracht. Auf der Farm von Reni, die wir im vergangenen Jahr schon einmal besucht haben. Hoch über Bögöz thronen die zwei Scheunen und der ausrangierte Bauwagen, die Renis Familie in den Sommermonaten als Unterschlupf dienen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Sie haben ein hübsches zweistöckiges Haus in Bögöz, direkt neben unserer Pension. Die Sommernächte aber verbringen sie im Hinterland; dort, wo ihre Schafe, Ziegen, Hühner, Schweine und Kühe weiden.

Heute überlassen sie uns die Farm. Nicht die Scheunen, wohlgemerkt, und auch nicht den ausrangierten Bauwagen. Nachdem wir einen Orientierungslauf um und durch Bögöz hinter uns gebracht haben, schlafen wir also jetzt draußen – allen verdutzten Blicken und empörten „Echt jetzt? Ist das nicht voll kalt“-Rufen zum Trotz. Unser Lager schlagen wir auf einer Wiese auf, ohne Zelte, nur auf einer Plane. Wie echte Camper machen wir Stockbrot und Würstchen über einem Feuer, für das Renis Eltern kurzerhand noch einen Baum schlagen, als es zu erlöschen droht. Dann folgen ein paar aufmunternde Worte und ein letztes Winken, schon rauscht ihr Auto in die Nacht und lässt uns allein zurück. Neben uns glimmen noch die letzten Reste des Feuers, in der Ferne funkelt Székelyudvarhely. Ansonsten: vollkommene Dunkelheit, die auch das Licht unserer Taschenlampen nach wenigen Metern verschluckt.

Und was tut man, wenn man in der rumänischen Wildnis liegt, der Heimat von Dracula und anderen blutrünstigen Fiktiv-Fieslingen? Richtig, man erzählt sich Gruselgeschichten: von Mördern und seltsamen Krankheiten, einsamen Dörfern und dunklen Kellern. Dass die Geschichten Satz für Satz übersetzt werden müssen – vom Ungarischen ins Deutsche und andersherum – mindert den Gruselfaktor zwar minimal, nicht aber den Spaß. Die Wolken am Himmel sorgen für milde Temperaturen, und schließlich fallen sogar die, die anfangs noch lauthals verkündet haben, sicher kein Auge schließen zu können, in einen tiefen Schlaf.

In der Nacht dann auf einmal Unruhe: Es raschelt und röchelt am Rande des Bettenlagers, irgendetwas bewegt sich auf uns zu – und zwar gar nicht mal so langsam. Wie war das noch mal mit den Wölfen und Bären in Rumänien? Renis Vater hat uns zwar versichert, dass die im September satt und vollgefressen anderswo in den Wäldern weilen, aber was, wenn doch einer Lust hat auf einen Mitternachtssnack? Immer näher kommt das Rascheln, es will ganz eindeutig zu uns. Es röchelt. Und schnüffelt. Kommt noch ein Stückchen näher – und bellt uns an. Es ist einer der Wachhunde – riesige Tiere, die ebenso furchteinflößend wie schmusebedürftig sind. In diesem Fall ist der flauschige Fellberg aber tatsächlich nur hungrig. Er ist auf der Suche nach Essensresten. Und wird fündig, schließlich haben einige der Kids ihre Stockbrotreste großflächig ums Lager herum verteilt.

Wir haben die Nacht also gut überstanden. Es war ein bisschen kalt, ein bisschen gruselig, ein bisschen regnerisch – und ziemlich wunderschön. Vielleicht, weil wir nachts doch noch die Sterne gesehen haben. Vielleicht, uns ein Hahn geweckt hat. Vielleicht auch, weil sich ein riesiger Wachhund morgens zwischen uns gequetscht hat, um sich ausgiebig kraulen zu lassen. Wahrscheinlich lag es aber vor allem daran, dass uns Bögöz dafür belohnt hat, dass wir die Nacht unter freiem Himmel erfolgreich hinter uns gebracht haben: mit dem wohl schönsten Sonnenaufgang, den es zu bieten hatte.

 

Ankommen

Wie sieht Bögöz aus, wenn man es zum ersten Mal sieht? „Hier gibt es nur Wohnhäuser“, sagt Theresa schulterzuckend, „und gar keine Läden, in denen man einkaufen kann“. „Aber die Landschaft ist total schön“, beteuert Charlotte, „und die vielen Tiere sind es auch“. Wohnen wollen die beiden hier nicht – aber spannend finden sie es schon.

Um ehrlich zu sein: Charmant sieht Bögöz aus, spektakulär ist es nicht. Kleine Häuser säumen die Straßen, bunter Putz blättert von den Fensterläden, öffentliche Gebäude gibt es tatsächlich nur wenige. Eine Schule, einen Supermarkt, eine Kneipe. Eine kleine Kirche, die nicht wirklich oft von Touristen besucht wird. Der Bahnhof ist kaum mehr als ein schmaler Asphaltstreifen neben den Schienen, stünde das Schild nicht dort, man könnte ihn glatt übersehen.

In diesem Jahr sind viele dabei, die Bögöz am Sonntag zum ersten Mal gesehen haben. Für sie ist alles neu. Die Kirche, der Supermarkt, der Nicht-Wirklich-Bahnhof. Wieder andere haben das Dorf im vergangenen Jahr kennengelernt, vor zwei Jahren oder vor mehr als einem Jahrzehnt. Wir wussten was uns erwartet. Irgendwie. Denn auch für uns ist alles neu. Wenn wir eines in den vergangenen Camps gelernt haben, dann ist es, dass immer alles anders kommt als gedacht. Nichts ist vorhersehbar. Das Wetter ebenso wenig wie die Gruppendynamik, der rumänische Busfahrplan schon gar nicht. Insofern erwartet auch uns viel Unbekanntes. Auch wir sehen Bögöz in diesem Jahr gewissermaßen zum ersten Mal.

Wir sind gespannt, wie es aussehen wird.

Winter is coming to Bögöz

12401722_1214454928583148_6776566329658249283_o
Damit die Körbe die kalte Jahreszeit gut überstehen, wurden sie bereits winterfest gemacht.

Irgendwann hat die Kälte dann doch gesiegt. Auf unserem Feld ist Winterpause angesagt, zunächst einmal. Denn während sich die Szekler auf das neue Jahr vorbereiten, machen Minusgerade, Regen, Wind und Schnee ein regelmäßiges Training unmöglich. Auch deshalb ist für das Basketballfeld jetzt erst einmal ein langer Winterschlaf angesagt.

War es das also schon, ist die Saison für den jungen BC Bögözi Udvar, dem ersten Basketballvereins Bögöz, schon vorbei? Mitnichten. Vom Eifer gepackt, haben Trainer und Kinder sich nach Alternativen umgeschaut – und haben sich an eine kleine, aber feine Halle in Szekelyudvarhely erinnert, in der wir während unseres ersten Basketballcamps einmal gegen eine andere einheimische Mannschaft gespielt haben.

Dort werden sie weiter trainieren, bis es in Bögöz wieder wärmer wird. Eine Gruppe hartgesottener Spieler, die bis Mitte Dezember regelmäßig mit Imi und Evi trainiert hat, bekommt nun also die Möglichkeit, weiter an ihrem Können zu feilen. Einmal in der Woche geht es mit dem Zug (der nach einer langen Pause endlich wieder fährt) für acht Kinder nach Szekelyudvarhely, nach dem Training mit einem privaten Kleinbus wieder zurück – abends fährt kein Zug mehr nach Bögöz.

Natürlich ist so ein Bus teurer als öffentliche Verkehrsmittel. Dennoch (oder gerade deshalb) wollen und werden wir das Team finanziell unterstützen: Erstens ist es eine Übergangslösung für den Winter. Zweitens ist so ein Bus in Rumänien deutlich günstiger als in Deutschland, die Fahrt von Szekelyudvarhely nach Bögöz kostet umgerechnet rund 8 Euro für acht Personen. Drittens – und das für uns der wichtigste Punkt – wollen wir es den Kindern, die mit so viel Engagement und Hingabe dabei sind, ermöglichen weiterzumachen.

Die Kids sind begeistert von der Idee – und ihre Eltern auch. Evi hat sich die Mühe gemacht, mit ihnen zu sprechen, um Ihnen das Vorhaben zu erklären.

Wir möchten euch für eure Unterstützung danken – ohne eure Hilfe, die Spenden oder Ratschläge, müssten die Kids in Bögöz den Winter drinnen verbringen (oder zumindest ohne Basketball). Wir sind schon unfassbar gespannt, wie weit sie sein werden, wenn wir im August 2016 wieder nach Bögöz fahren werden.

Die Ruhe nach dem Sturm

Valerie war in diesem Sommer zum ersten Mal mit Basketball in Rumänien und hat als Trainerin und Begleiterin geholfen, wo sie konnte. Ihre Eindrücke hat sie direkt nach dem Camp aufgeschrieben. Wir wollten etwas Zeit vergehen lassen, bevor wir den Text auf den Blog stellen, um erst einmal unsere eigenen Erinnerungen sacken zu lassen. Denn wir sind uns sicher: Jeder, der diesmal mit in Bögöz war, egal ob zum ersten, zweiten oder dreißigsten Mal, hat jede Menge Eindrücke und Erinnerungen mitgenommen – und die muss man in der Regel erst einmal verarbeiten. Aber natürlich wollen wir euch auch Valeries Text nicht vorenthalten. Et voilà.


Mit dem Flieger geht es im Handumdrehen nach Rumänien, wo die Hitze noch viel drückender ist als in Deutschland. Hier ist alles anders – die Taxis schneller, die Stimmen lauter und der Verkehr reger. Zumindest in Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens. Zwei Tage im „Paris des Ostens“, der ehemaligen Hochburg des Diktators Ceaușescu, bevor es auch für mich nach Bögöz ins Camp geht. Ich bin das erste Mal dabei und sitze nun im Zug nach Sibiu, wo ich auf den Rest der Gruppe treffen werde. Fünfeinhalb Stunden Zugfahrt für nur knapp 280 Kilometer – fünfeinhalb Stunden, die zeigen, wie Rumänien tickt: Gefahren wird gemeinsam. Es wird geratscht, Essen (oder Sitze) geteilt, gelacht oder auch mal gepöbelt. Und: Eine Platzreservierung ist nicht viel wert – on your feet, lose your seat.

Der Taxifahrer, der mich in Sibiu vom Bahnhof zum Flughafen bringt, hat zwar keine Zähne mehr, schenkt mir als „Dutsche“ aber trotzdem ein Lachen. Mit der Gruppe vereint geht es dann im Bus nach Bögöz, ab ins Szeklerland. Wenn uns nicht in regelmäßigen Abständen immer wieder ein Pferdekarren entgegenkäme, könnten wir auch durchs Tolkinsche Auenland fahren – so grün ist es. Die Ausnahme: Anstatt Hobbithöhlen stehen am Straßenrand zahlreiche Brachtbauten – die meisten von ihnen aber unvollendet. Heißt: Die Häuser sind bewohnt, aber nicht fertiggestellt. Es fehlt der Putz, manchmal sogar die Fensterscheiben. Woran das liegt, haben wir bis heute nicht rausgefunden.

In Bögöz erwartet uns das liebevolle Heim von Irenke. Um auf den Hof zu gelangen, muss man durch ein Szeklertor gehen. Szeklertore sind reich geschnitzte Holztore, die zu verstehen geben, dass hier Szekler wohnen, die den Ungarn näher stehen als den Rumänen (Hier gibt es die ausführliche Erklärung zu Szeklern, Ungarn und Rumänen). Irenke wird uns die nächste Woche bekochen, uns (wir wünschten es wäre anders) hinterherräumen und uns sogar pflegen. Wie der eine oder andere mitbekommen hat, wechselten wir uns über die Woche nämlich mit einem fiesen Magen-Darm-Virus ab, den wir fast liebevoll Tagesvirus tauften – so lange belästigte er jeden einzelnen.

Was habe ich mir davon erhofft, mit nach Bögöz zu fahren? Um ehrlich zu sein, habe ich mir vorher wenig Gedanken gemacht, zu viel Stress in der Uni und im Job. Bei Irenke auf dem Hof zu sein bedeutete zuerst völlige Entschleunigung. Zuerst. Denn dann ging das Camp los, 30 Kinder, die unterschiedlich gut Basketball spielen, verschiedene Sprachen sprechen und alle Aufmerksamkeit brauchen – und diese natürlich auch verdient haben.

Zwei Ausflüge haben mich nachhaltig beschäftigt: Der Besuch im Roma-Dorf und der Besuch auf Renis Farm (mehr zu den anderen Ausflügen steht zum Beispiel hier oder hier).

Das Roma-Dorf war für uns alle ein Kulturschock, und, ganz ehrlich: Wir Erwachsenen haben nicht nur die Kinder, sondern auch uns selbst ins kalte Wasser geworfen. Im Dorf war es dreckig, der Großteil der Bewohner nackt. In den Hütten wohnen immer mehrere Familienmitglieder, ohne fließendes Wasser. Die Dorfbewohner trinken aus dem Fluss (ja genau der, dessen Badebesuch uns wahrscheinlich den Magen-Darm-Virus verpasst hat). Es ist staubig und wahnsinnig heiß. Aber wir sind willkommen – obwohl wir keine Geschenke mitgebracht haben. Liebevoll zeigt uns eine junge Mutter ihr Baby, ein hübsches, noch völlig zahnloses kleines Ding. Es ist ein Kulturschock – und das mitten in Europa. Wir kamen in Taxis vorgefahren, in Polizeibegleitung. Eine Busanbindung ins Dorf gibt es nicht (mehr über den Besuch steht hier). Nach dem Besuch haben wir viel diskutiert. War das richtig? Haben wir Katastrophentourismus betrieben? Was hat unser Besuch dem Roma-Dorf gebracht? Und vor allem: Was ist bei unseren Kindern geblieben? Haben wir Vorurteile abbauen können oder diese vielleicht nur noch vergrößert?

Ihr könnt uns glauben, dass wir Erwachsene nach dem Besuch nicht nur gesprochen, sondern auch ein bisschen gestritten haben. Ich persönlich – aber das ist meine Meinung – wünsche mir, dass wir den Besuch im nächsten Jahr wiederholen, allerdings ohne Polizei und Taxen, sondern in Begleitung von Tobias, einem Deutschen, der seit Jahren mit Teenagern in eben dieses Dorf fährt und dort gemeinsam Programm macht. Am nächsten Tag haben wir mit den Kindern gemeinsam über das Erlebnis gesprochen. Ich glaube, dass die Kinder nicht nur gelernt haben, ihr eigenes Hab und Gut zu schätzen, sondern auch, dass es mehr als eine Lebensweise gibt und das Armut nicht zwangsweise Unglück bedeutet. Denn unglücklich waren die Bewohner des Dorfes nun wirklich nicht – es wurde gesungen und gespielt.

Ein besonderer Ausflug war auch der Besuch auf Renis Farm. Ich bin immer noch beeindruckt, dass Reni und ihre Familie jede Nacht auf der Farm übernachten und im Notfall auch mal den ein oder anderen Bären oder Wolf verjagen. Reni gehört zu den Kindern, die stets gute Laune ins Camp getragen haben. Während wir Deutschen gerne (und in diesem Camp leider auch oft) jammern, scheinen mir die Szekler-Campteilnehmer manchmal schon ein bisschen reifer zu sein. Gejammert wird nicht, wer hinfällt, steht auf. Aber nun ja – was ist eine Schnittwunde schon gegen einen ausgewachsenen Bären.

Beeindruckt hat mich in dieser Woche wieder einmal, das Kinder sich verständigen können, auch wenn sie nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich wünsche mir, dass wir im nächsten Jahr diese Bindung noch vertiefen können und hoffe, dass wir das Projekt so voran treiben können, dass wir noch mehr gemeinsame Aktivitäten zwischen den Szeklerkindern und unseren deutschen Campteilnehmern ermöglichen können. Seit gestern ist der Großteil von uns wieder zurück in München, und es fühlt sich an, als wäre ich eine Ewigkeit weggewesen. Ich bin mir sicher, dass ich das deutsch-ungarische Geplapper bald vermisse (noch genieße ich die Ruhe) und freue mich auf alle, die nächstes Jahr wieder mitkommen.

Zuletzt noch eine Geschichte, die Sandy und Katalina mir heute erzählt haben: Wie ihr sicher mitbekommen habt, hat auch István, ein Roma-Junge, der schräg gegenüber von Irenkes Pension wohnt, am Camp teilgenommen hat. Obwohl István sehr ruhig ist, schließt man ihn sofort ins Herzen. Am Ende der Reise haben besonders wir Betreuer mit der ein oder anderen Träne gekämpft, weil es bei Irenke einfach so wunderschön ist. Nicht nur wir: Angeblich hat auch Ida, Istváns Mutter geweint. Aus Dankbarkeit, weil ihr Sohn am Camp teilnehmen durfte.

Zuhause bei den Schwestern

Die junge Frau hat Glück gehabt. Am Freitag hatte sie an die Tür geklopft, mit nichts als zwei Plastiktüten in der Hand und dem kleinen Kind auf dem Arm, vertrieben vom Vater des Kindes. Sie brauchte einen Platz zum Schlafen, einen Rückzugsort für sich und den kleinen Sohn, ein Jahr alt, zahnloses Lachen, hellbrauner Flaum auf dem Kopf. Familie oder Verwandte, die die 19-Jährige mit den dunklen Haaren, den schmalen Schultern und der ausgeblichenen Kleidung hätten aufnehmen können, gab es nicht, schließlich war sie auch früher schon eine Vertriebene gewesen. Seit dem zwölften Lebensjahr, seit ihre Mutter sie in einem Heim sitzen gelassen und sich aus dem Staub gemacht hatte. Diesmal hat sie Glück gehabt. Das kleine Eltern-Kind-Zimmer im Kloster der Mallersdorfer Schwestern in Szekelyudvarhely war nicht belegt gewesen. Sie durfte bleiben, vorerst.

[327]_[_DSC3846]_[150803 Franziskanerorden]
Alles andere als grau: Schwester Michaela in der Klosterküche.
Die hellen Augen von Schwester Michaela verdunkeln sich, als sie die Geschichte der jungen Frau erzählt, die jetzt in dem luftigen Innenhof des Ordenshauses ihrem Kind mit energischen Zügen die Schokolade vom Mund wischt. Neben ihr hampeln zwei blonde Mädchen auf einer Wippe, Geschwister, ein paar Meter weiter bauen drei Jungs in Bayern-München-Trikots der letzten Saison ein großes, neues Trampolin auf. Sie alle sind Waisen. Ihre Eltern haben sie verlassen, meist bei der Geburt, manchmal auch erst Jahre später. Wie die junge Mutter haben sie bei Schwester Michaela und den anderen Nonnen nicht nur Zuflucht gefunden, ein Bett, eine Dusche und regelmäßiges Essen, sondern auch Zuspruch, Respekt und menschliche Wärme.

Wir können nicht immer helfen“, erklärt Schwester Michaela schulterzuckend und deutet auf die junge Mutter. Die Nonne, eine kleine rundliche Frau in grauer Schwesterntracht, die dunkelgrauen Haare unter der dunklen Haube gebändigt, die Furchen in dem weichen Gesicht noch nicht allzu tief, kennt viele, fast unzählige dieser Lebenswege. Mütter, die beinahe selbst noch Kinder sind, die von Eltern oder Männern geschlagen, vertrieben und verlassen werden – und die später nicht selten dieselben Entscheidungen treffen und ihre eigenen Kinder im Stich lassen.

Dennoch sei es heute einfacher, Zufluchtsorte für die Verlassenen und Vertriebenen zu finden. „Es gibt mehr Initiativen, die sich um die Frauen und Kinder kümmern. Wir sind mittlerweile gut vernetzt. Können wir jemanden nicht unterbringen, können wir ihn vielleicht weitervermitteln.“ Nicht zu vergleichen mit der Lage 1991, als der eiserne Vorhang fiel und Michaela nach Rumänien kam.

Damals hätten jeden Tag Dutzende Kinder vor den Türen der Kirche gestanden und gebettelt, erzählt die Ordensschwester mit ruhiger Stimme. Roma. Es rollt leise, wenn Michaela Roma sagt. Noch immer macht sich der oberbayrische Dialekt ihrer Heimat Deggendorf bemerkbar, obwohl Michaela seit 24 Jahren im Szeklerland lebt, dem Landstrich Rumäniens, der von der ungarischen Minderheit des Landes bewohnt wird. Mit 42 hat sie das bayerische Deggendorf verlassen, um das Ordenshaus der Mallersdorfer Schwestern aufzubauen, einer Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen, nachdem das Ende des Kommunismus die Wiederbelebung der katholischen Kirche bedeutete, deren Aktivitäten zuvor durch den Staat stark eingeschränkt worden waren. 1864 ließen sich die Mallersdorfer Schwestern erstmals im rumänischen Hermannstadt nieder, mittlerweile ist der Orden an fünf Orten aktiv, betreibt Kindergärten, Altersheime, Schulen. In Szekelyudvarhely haben die Schwestern damals einen Kindergarten für Angehörige der Roma gegründet, um die Kinder von der Straße zu holen.

[316]_[_DSC3824]_[150803 Franziskanerorden]
Sie hat Zuflucht bei den Mallersdorfer Schwestern gefunden: die 19-jährige Mutter, fast selbst noch ein Kind.
Anfangs hat sich kaum etwas verändert“, erinnert sich die heute 66-Jährige, „alles war wie gelähmt“. Die Menschen hätten einander kaum mehr vertraut, Gleichheitszwang und Ceaușescu-Diktatur hatten ihre Spuren nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Köpfen des Landes hinterlassen. Erst in den letzten Jahren zeigten sich die Fortschritte. Neue Häuser würden entstehen, alte renoviert und restauriert, es gäbe mehr Geschäfte, sogar Touristen. „Es gibt Verbesserungen“, merkt Schwester Michaela an, „aber vieles ändert sich nur sehr langsam“. Noch immer gibt es Roma-Kinder, die betteln. Noch immer gibt es Kinder, die im Kindergarten erst einmal gefüttert, gewaschen und entlaust werden müssten. Einhundert sind es heute insgesamt, die in vier Gruppen betreut werden. Dazu kommen praktische Förderangebote und eine Schule für die, die dem Kindergartenalter entwachsen. Hier sollen die Kinder Selbstvertrauen entwickeln, Lernfreude und Neugierde, Werte, die ihnen zu Hause nicht vermittelt werden. „Viele Eltern sind Analphabeten, waren selbst noch nie in der Schule. Ihnen bedeutet der Schulbesuch der Kinder nichts.“ Immer wieder würden Kinder nicht erscheinen, weil die Eltern wenig Sinn in der Schulbildung sähen. „Wir sehen aber auch immer wieder Eltern, denen es sehr wichtig ist, dass ihre Kinder mehr lernen als sie selbst. Sie sollen lesen, schreiben und rechnen lernen – alles das, was sie nicht können.“

Waren es früher ausschließlich Roma-Kinder, die aufgepäppelt werden mussten, besuchen heute Kinder unterschiedlicher Gruppen die hellen, bunten Räume, in denen zwischen Mobilees und Plüschtieren gemalt, gebastelt oder gelernt wird. Die Mehrheit der Kinder kommt jedoch noch immer aus den sozial schwächsten Schichten. „Natürlich merken wir, dass viele Eltern ihre Kinder lieber in einen anderen Kindergarten schicken wollen“, gibt Schwester Michaela fast entschuldigend zu, „aber wir wollen niemanden zwingen, sein Kind hierher zu schicken“.

Im Flur stapeln sich die Babymilch-Pakete. Milupa, deutsche Aufschrift. Man spürt die Präsenz des deutschen Mutterhauses hier im tiefsten Rumänien. Viele Spenden, über die sich das Kloster finanziert, kommen aus Deutschland. An Weihnachten würden Schuhkartons voller Geschenke aus Bayern kommen. Auch die einheimischen Schwestern, meist Szekler, lernen Deutsch. Kooperation sei dennoch oberste Priorität, betont Schwester Michaela mehrmals, „Hilfsprojekte müssen immer vor Ort verwurzelt sein“. Sonst brächte auch das größte Engagement langfristig nichts.

Dass die Ordensschwester pragmatisch ist, zeigt auch ihre Begründung, nach Rumänien zu ziehen: „Es wurde eine Stelle frei, ich habe mich beworben und wurde genommen.“ Es fügte sich einfach, ähnlich wie ihre Entscheidung, dem Orden beizutreten, die sie schon im Kindesalter für sich getroffen hat, ganz unbewusst, wie sie heute sagt. Und dennoch hält sie nach der fast nüchternen Bilanz kurz inne. „Es ist ein großes Geschenk, dass ich hierher kommen konnte.“

Ein kleiner Junge wirft sich der Schwester an den Hals und zwängt seine schmalen Schultern unter ihren Arm. Lori ist dreizehn und lebt seit seinem ersten Lebensjahr bei den Schwestern. Sie mussten das einstige Frühchen mit der Flasche aufziehen. Seine Mutter lebte einige Zeit mit Lori im Kloster, aber sie hat neu geheiratet – und den Sohn bei den Nonnen gelassen. Der Junge mit den schräg stehenden dunklen Mandelaugen und dem schlackernden grauen Pokemon-Shirt ist ausgelassen, aufgedreht, anhänglich, flitzt umher und zeigt stolz den Inhalt seines Nachttisches. Fußballkarten, Spielzeugautos, ein Poster von Lionel Messi und ein paar Auto-Sticker, auf denen Turbo steht. Turbo, das ist auch Lori, während er um die Nonnen herumflitzt.

Lori hat bei den Mallersdorfer Schwestern ein Zuhause gefunden, ebenso zwei Schwestern, deren Mutter sie bei den Nonnen zurückgelassen hat. Die Mädchen seien so klug, schwärmt Schwester Michaela. Und sie haben ein Vorbild: Die älteste der dreien hat soeben die Schule beendet, und will an die Universität, studieren.

In der Wildnis

Der Besuch hat seine Spuren hinterlassen. Keine sichtbaren, eher einen schalen Nachgeschmack, einen Schatten, der noch lange an den Gedanken klebt wie ein Kaugummi unterm Schuh. Er stört nicht, aber er ist da, meldet sich bei jedem Schritt, will beachtet und nicht länger ignoriert werden. Lenkt die Gedanken immer wieder auf die eine Frage. Was wollten wir da? Ja, was wollten wir eigentlich da, an diesem Platz, an diesem Nicht-Ort, an dem Hütten stehen aber keine Zuhause, houses but no homes?

Wir sind zurück bei Irenke, und wir diskutieren hitzig. Keine zehn Minuten sind vergangen, dass wir aus staubigen Taxis ausgestiegen sind, dem Polizisten noch einmal zugewunken und das alte Szeklertor hinter uns geschlossen haben, wieder eingetaucht sind in die Idylle der kleinen Pension. Doch der grüne Rasen, der hohe Baum und die in Würde alternde Scheune haben keine Chance gegen die Bilder in unserem Kopf. Den Staub, der noch in den Kleidern hängt, die Erinnerung an die stechenden Gerüche. Im Hintergrund füllt Evi ein Planschbecken mit Wasser und Desinfektionsmittel, sie will unsere Schuhe waschen. Sicher ist sicher. Was wollten wir da?

Das versuchen wir herauszufinden. Lautstark. Wir wollten ein Dorf besuchen, in dem Roma leben. Gemeinsam mit Tobias Walzok, einem Deutschen, der dort einmal im Jahr ein kirchliches Ferienlager veranstaltet mit Jugendlichen aus Sachsen. Eine Woche campen die Jugendlichen dann vor den Toren von Nagygalambfalva, spielen gemeinsam mit den Roma Theater, singen, kochen und backen, eine Woche erkunden sie das Land (mehr dazu hier). Die Roma kennen ihn, das Camp – Rüstzeit genannt – findet bereits seit sieben Jahren statt. Tobias sollte unsere Brücke sein, über ihn wollten wir die Roma und Romnija kennenlernen.

Tobias war nicht da.

Es muss einem Übersetzungsfehler geschuldet gewesen sein, oder der spontanen Planung, aber an dem Tag, an dem wir das Dorf besuchen wollten, befand der Jugendwart sich mit seiner Gruppe irgendwo im rumänischen Hinterland, weit weg von Nagygalambfalva. Wahrscheinlich hatten wir ihn nicht richtig informiert, er wusste vielleicht nicht einmal von unserem Besuch in Nagygalambfalva. Stattdessen wurden wir von einem trägen Polizisten eskortiert, der sich zwar rauchend im Hintergrund hielt und nur hier und da ein paar Worte wechselte, dessen Präsenz und Dienstwaffe dem Besuch aber auch eine drückende Bedrohlichkeit verliehen, gerade so als würden die Dorfbewohner sich auf uns stürzen, würde er wegsehen.

15
Eines der weniger provisorischen Häuser des Ortes.

Auf jeden Fall ist Tobias nicht da, als unsere Taxis den Staub der Schotterwegs aufwirbeln, als wir auf die Siedlung zufahren. Sie liegt außerhalb von Nagygalambfalva, fernab der getünchten Häuser, der Blumen in den Vorgärten und den asphaltierten Straßen. Sie liegt weit draußen, dort, wo man sie vom Ort aus nicht sieht. Dort, wo man schnell vergessen kann, dass sie existiert. Die Ansammlung eine Siedlung zu nennen, ist fast schon zu viel, es sind versprengte Hütten, Wände aus aufgesprungenem Lehm, die Löcher in den vergilbten Ziegeldächern mit Plastiktüten geflickt. Es könnte ein Filmset sein, so unwirklich scheint der Ort, mehr Kulisse als Wirklichkeit.

Von weitem wirkt das Dorf wie verlassen, aber das Schnurren der Motoren lockt die Menschen ans Licht. Immer mehr Menschen kommen aus ihren Hütten hervor, blinzeln in grelle Sonne und uns entgegen. Als die Autos anhalten, müssen es Dutzende sein. Wir starren. Sie starren. Die Sonne brennt.

Zum Glück ist Evi dabei, die Unermüdliche, natürlich hat sie auch wieder ihren Sohn Imike dabei, natürlich geht sie voran, als wäre sie andauernd hier, plaudert, grüßt, nickt den Menschen zu. Langsam kommt Bewegung in die Sache. Wir gehen erst einmal hinterher, unsicher, nicht wissend, wohin wir zuerst schauen sollen oder wohin lieber gar nicht. Auf den Boden lieber nicht. Scherben liegen dort im Staub, Papierfetzen, Essenreste. Verdautes. Die meisten Kinder sind nackt, warum auch nicht, es ist unerträglich heiß, vielleicht fehlen aber auch einfach die Kleider, wir wissen es nicht. Sie lachen uns zu, verstohlen, aber aufrichtig, verstecken ihre kleinen Gesichter hinter dreckigen Fingern, spielen das Spiel, das alle kleinen Kinder spielen.

Ein paar Gespräche entwickeln sich, langsam, abtastend, stockend, schließlich sind heute nur zwei Erwachsene dabei, die Ungarisch sprechen. Mehr als Winken und Lächeln ist für den Rest nicht drin. Die Sonne flimmert am Himmel, wir schwitzen, es ist heiß. Den Roma scheint die Hitze nichts auszumachen. Sie sind wild, schön und stolz. Die Haare sind verfilzt, die Kleider voller Flecken, aber die Augen blitzen. Ein paar Kinder fragen nach unseren Namen, singen von Zahlen und dem Alphabet, auch ein paar Sätze auf Deutsch können sie aufsagen. Sie haben sie bei Tobias Walzok und seiner Jugendgruppe gelernt. Die älteren Mädchen necken uns, singen Lieder, deren Inhalt Evi nicht übersetzen will. Mädchen sind sie eigentlich schon lange nicht mehr, wenn überhaupt, dann nur noch auf dem Papier. 14 sind sie, 15 und 17, wenn man ihnen glauben will. Aber ihre Körper gleichen schon längst denen von Frauen, nicht zuletzt deshalb, weil auch sie schon Kinder zur Welt gebracht haben. Am Rand von Nagygalambfalva läuft die Zeit anders. Ängstlich sehen sie nicht aus, ganz im Gegenteil, sie wissen, sich zu behaupten. Wohl auch, weil Alkohol und Gewalt regelmäßig zu Gast sind in Nagygalambfalva.

Die Mädchenmütter fragen, ob wir Zigaretten haben, aber als wir verneinen, zucken sie nur mit den Schultern und lachen. Ob wir hineinkommen wollen in eine der Hütten? Hier wohne eine Familie, sieben, acht, neun Menschen in zwei Räumen, die eher einem Stall gleichen, vielleicht sind es auch mehr. Drei durchgelegene Betten. Auf den pinken Decken Blumenmuster, auf den Schränken Jägermeister.

12
Ein Foto wollte sie unbedingt noch machen, sie bestand fast darauf, die junge Mutter, die uns ihren Namen nicht verraten wollte.

Draußen haben die Romakinder ihre Scheu abgelegt, kommen näher, bilden einen Kreis um zwei der Münchner Kinder, piesacken sie. Den beiden Münchnern ist die Aufmerksamkeit sichtbar unangenehmen, sie wollen weg, zurück zum Taxi, verständlich. Andere stellen Fragen, aber die Übersetzung läuft holprig und manchmal nur über drei Ecken.

Auch unser Taxifahrer schüttelt nur den Kopf, als wir den Ort eine Stunde später wieder verlassen. Piszkos, zischt er verächtlich, als das Dorf im Rückspiegel verschwindet: dreckig.

Und jetzt sitzen wir hier in Irenkes Garten, essen Eis und trinken Limo, und diskutieren, streiten. Was wollten wir da? Warum sind wir in dieses Dorf gefahren, ohne Berührungspunkte, ohne zu wissen, wie es wird, einfach so? Weil es zu Rumänien gehört? Weil es ein drängendes politisches Thema ist? Weil wir den Kindern Armut zeigen wollten, ohne Rücksicht auf Verluste? Weil wir einfach mal gucken wollten, wie andere Menschen so leben? Haben wir Vorurteile geschürt? Uns am Elend anderer ergötzt?

10
Auf den Schränken frische Blumen und Jägermeister: Einblicke in ein fremdes Leben.

Und was bedeutet das eigentlich, Elend? Legen wir hier nicht unsere Maßstäbe an? Können wir uns ein Urteil überhaupt erlauben? Wie viel Ablehnung und Hass Roma in Rumänien – und anderen Teilen der Welt – erfahren, wissen wir, aber steht es uns in diesem Moment zu, darüber zu urteilen, ob die 14-jährige Mutter glücklich ist? Am Ende bleiben wir mit vielen Fragen zurück. Eine Antwort haben wir nicht gefunden. Wir hätten uns besser vorbereiten müssen, soviel ist klar. Hätten uns mit Tobias absprechen sollen, der die Menschen kennt, sich auf gewohntem Terrain bewegt hätte, Ungarisch spricht.

Und was haben die Kinder überhaupt mitgenommen? Haben wir sie erschreckt? Haben sie vielleicht jetzt mehr Angst als vorher, haben sie Vorurteile entwickelt? Im Hintergrund wäscht Evi unsere Schuhe ab, nur zur Sicherheit, wie sie beteuert, aber wie verstehen das die Kinder? Dass man sich nach einem Besuch bei den Roma selbst die Schuhe waschen muss, weil sie piszkos sind, dreckig? Nein, von dem Bottich voller Kernseife bekommen die Kinder gar nichts mit, sie planschen eh schon wieder im Pool.  Aber wie werden sie in ein paar Stunden darüber denken?

Das Resümee fällt nüchterner aus als erwartet: Naja, da hätten halt viele Menschen in einem Dorf gelebt, in dem die Häuser sehr klein und dreckig gewesen seien, voll krass, auch, dass viele so gar keine Klamotten angehabt hätten, piepsen die kleinen Kinderstimmen. Und echt voll krass, dass die da gar keine Handys gehabt hätten, nicht mal Tastenhandys oder so, kommt es zögerlich aus einer anderen Ecke. Aber, bemerkt Robinson, wäre ja auch eigentlich ganz cool so ohne Handy, da hätte man ja viel mehr Zeit für andere Sachen, oder?

Jeder hat etwas anderes aus dem Dorf für sich mitgenommen. Viele Eindrücke, viele Bilder. Viele Fragen und kaum Antworten. Was uns Erwachsenen – und vielleicht auch dem ein oder anderen Kind – klargeworden ist: Wir wissen nicht viel, und ein Urteil, und dann noch ein schnelles, können wir uns nicht erlauben. Aber wir können weiter hinsehen, hinterfragen, Hände reichen. Wie Tobias und seine Jugendlichen.

Mehr zu Tobias‘ Engagement in Rumänien findet ihr hier.

Tag 6 – warme Worte und ein paar Tränen

Anfangs saßen sie noch skeptisch am Rand – am Ende fegten sie selbst wie wild über das Feld: die Eltern der Bögözer Kinder haben unseren Basketballplatz gestern zum ersten Mal gesehen – und waren ziemlich angetan.

Beim BC Hellenen steht es regelmäßig an: das Eltern-Kind-Turnier. Wir wollten diese großartige Tradition auch den Bögözern nicht vorenthalten und hatten dafür den Szeklerkindern bereits am Anfang der Woche aufgetragen, ihre Eltern zum letzten Training mitzubringen, die wiederum etwas zu essen mitbringen sollten. Um ganz ehrlich zu sein: Wir rechneten kaum damit, viele erwachsene Gesichter zu sehen – sei es, weil die Flüsterpost nicht funktioniert hatte, oder, weil die Bögözer vielleicht kein Interesse an dem Sport hatten, den die németek, die Deutschen, mitgebracht hatten.

Umso erfreuter waren wir, als ein Elternteil nach dem anderen eintraf, kleine und große Geschwister im Schlepptau und Gebäck und Kuchen im Gepäck. Fast jedes Kind hatte eine Begleitung dabei! Selbst Katika und Gabi, die beiden Heimkinder, waren nicht alleine da: ihre Heimmutter war da, um sie vom Seitenrand aus anzufeuern, unterstützt von drei ganz kleinen Heimbewohnern und Gabis älteren Geschwistern, die mit ihr im Waisenhaus des Ortes leben. Ihre Eltern haben sie zurückgelassen, um an einem anderen Ort ihr Glück zu finden. Auch über den Besuch von Istváns Mutter Ida freuten wir uns. Im letzten Jahr hatten wir die Roma-Frau, die ein paar Häuser von Irenke entfernt in einer heruntergekommenen Hütte wohnt, besucht. Auch wenn sie damit fast mitten im Dorf lebt, ist sie als Angehörige der Roma immer noch isoliert. Aber sie war da, schüchtern und zurückhaltend, aber herausgeputzt und leise lächelnd. Direkt zu den anderen Eltern setzen wollte sie sich dann doch nicht, aber es wurden ein paar freundliche Worte ausgetauscht. Ein erster Schritt. Wir wünchen uns noch viele dieser Schritte, aber irgendwann muss man schließlich anfangen.

Aber zurück zum Turnier, beziehungsweise zur Seitenlinie, die zu Beginn des Spiels tatsächlich richtig voll war. Zweck eines Eltern-Kind-Turniers ist es aber nicht, einen erwachsenen Fanchor am Spielfeldrand stehen zu haben, und so wurde schließlich einer nach dem anderen aufs Feld komplimentiert. In gemischten Teams traten wir danach in kurzen Spielen gegeneinander an. Eltern, Kinder und Trainer hängten sich mächtig rein, putschten sich gegenseitig auf und überrannten im Eifer des Gefechts schon mal den ein oder anderen Spieler – der Schmerz jeglicher Kratzer und Schürfwunden wurde aber schnell vergessen bei der Freude über das gemeinsame Spiel. Wer schließlich als Sieger vom Platz ging – geschenkt, als Sieger durfte sich am Ende des Tages jeder fühlen.

Nachdem die Kekse und Kuchen – unter anderem ein unglaublich leckeres Salzblätterteiggebäck mit Mohn und Kümmel, könnte uns vielleicht jemand das Rezept zukommen lassen? – verdrückt waren, stand noch ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Plan: das Gespräch mit den Eltern der Bögözer Kinder.

Wir – als Spielerinnen des BC Hellenen, aber auch als Mitglieder anderer Sportvereine – wissen, dass ein Verein nur dann funktioniert, wenn die Eltern mitziehen. Es muss nicht immer als Unterstützer bei Fahrten und Turnieren sein (auch wenn diese Stütze mitunter unerlässlich ist!), manchmal reicht es auch, dass Eltern ihre Kinder mental unterstützen – indem sie sich für das interessieren, was sie auf dem Spielfeld treiben, nachfragen, motivieren, zuschauen. Für uns aus Deutschland angereiste mag das selbstverständlich erscheinen, sich ehrenamtlich in einem Verein zu engagieren, ob die Eltern aus Bögöz es genau so sehen würden, wollten wir in dem Gespräch herausfinden. Also erklärten wir. Sandy, Miri, Valerie und Katalina auf Deutsch, Aron auf Ungarisch. Dass die Kinder mit Begeisterung dabei wären, und dass wir schon einige echte Talente entdeckt hätten. Dass wir es ihnen gerne ermöglichen würden, weiter zum Training zu gehen – und dass es dafür Eltern bräuchte, die dies zuließen. Und die Eltern hörten zu. Und nickten zustimmend, immer wieder, insbesondere dann, als es darum ging, was man alles vom Basketball lernen kann. Fairness, Disziplin, Respekt. Als wir uns am Ende des Gesprächs bedankten, wurden wir sehr schnell unterbrochen – von den einheimischen Eltern, vor allem aber von Bálints Mutter, die sich im Namen aller mit einer kurzen Rede für die Möglichkeiten bedankte, die wir ihrem Sohn geben würden.

Für uns – und es ist kaum möglich, diesem Moment mit Worten gerecht zu werden – hatte das, was Bálints Mutter gesagt hat, eine ganz besondere Bedeutung: Sie hat das zusammengefasst, was von Anfang an unser Ziel war – den Kindern von Bögöz eine Perspektive zu geben, ihre Freizeit selbst in die Hand zu nehmen, teil eines Teams zu werden und einen Sport zu erlernen, den auch wir schätzen und lieben. Vielleicht stand dem ein oder anderem auch deshalb die ein oder andere Träne in den Augen, als wir den Worten von Bálints Mutter lauschten.

Es ist uns wichtig zu betonen, dass Basketball Leben Starthilfe sein will. Wir wollen unterstützen, anstoßen, begleiten. Aber wir wollen das Feld langfristig auch in die Hände der Bögözer übergeben. Die Mitglieder des Bögözi Udvar Basketball sollen trainieren können, sich aber auch um das Feld kümmern, es nutzen und pflegen. Sie sollen Turniere ausrichten können, an Turnieren außerhalb teilnehmen, andere Basketballcamps in Rumänien besuchen – wenn sie möchten. Wir von Basketball Leben möchten sie dabei an die Hand nehmen, werden auch weiterhin hier und da ein paar Schuhe verschenken (und möchten den Platz langfristig ja auch überdachen), diktieren möchten wir nicht. Lieber möchten wir gemeinsame Sache mit den Menschen aus Bögöz machen. Wir haben das Gefühl, das haben die Eltern verstanden. Die Kinder natürlich sowieso.

Tag 5 – die schönsten Sonnenuntergänge

Gestern gab es eine kleine Planänderung: Weil für den Nachmittag schlechtes Wetter angesagt war, mussten wir unseren Ausflug, eine Kutschfahrt in die umliegenden Hügel, verschieben. Kurzerhand disponierten wir um – in Rumänien nicht unüblich – und verschoben die Fahrt auf abends nach dem Training. Nach den morgendlichen Übungen stand also auf einmal jede Menge Freizeit auf dem Programm – glücklicherweise bot der Hof mit dem kleinen Pool, einem Trampolin und zwei Hollywoodschaukeln jede Menge Möglichkeiten, die Kinder auf Trab zu halten, die zwei mitgebrachten Quartette (Harry Potter und Rennboote) unterhielten den Rest. Endlich hatten auch die Coaches mal ein paar Stunden für sich, die sie direkt zum Zwei-gegen-Zwei-Duell nutzten, von dem sie auch der angekündigte Regenschauer nicht abhalten konnte.

Gegen Abend hatte sich der Regen zum Glück so weit verzogen, dass Training und Ausflug stattfinden konnten. Belohnt fürs Ausharren wurden wir mit einem knallroten Himmel und wild dahinjagenden Wolken. Die Kutschfahrt fand auf zwei hölzernen Wagen statt, die Anfang des 20. Jahrhunderts vielleicht mal zwei schicke Flitzer gewesen waren, jetzt aber hauptsächlich Heu und Stroh transportierten – oder zwischendurch eben mal 21 Nasen aus München. Über Stock und Stein ging es mal mehr, meist weniger rasant voran, und die zwei dunklen, schweren Pferde, die jeweils vor den Wagen gespannt waren, machten nicht den Anschein, als würde sie die Fracht überanstrengen.

Während wir im letzten Jahr – ja, die Kutschfahrt hat uns so gut gefallen, dass wir sie gleich noch mal ins Programm genommen haben – einfach in die Hügel gefahren waren, um nach einer Rast mit Spieleinlage wieder umzukehren, hatten wir diesmal ein ganz besonderes Ziel: Den Hof von Reni, auf den sie uns ein paar Tage zuvor freudestrahlend eingeladen hatte. Reni, ein aufgewecktes Mädchen, das besonders die Trainer mitunter gerne völlig unbeirrt auf Ungarisch vollplappert, hat auch dieses Jahr wieder am Camp teilgenommen, und wollte uns gerne zeigen, wie sie lebt. Reni ist elf, hilft ihren Eltern aber schon seit Jahren bei der Arbeit auf dem Hof, der Pflege der Tiere oder der Ernte.

Ein Hof also, okay. Mit Kühen, Schafen, Ziegen, Pferden und ein paar Hühnern. In einem kleinen Stall aus Backstein, vielleicht mit einer elektronischen Melkanlage, ein paar Weiden und einem Verschlag für die Hühner. So hatten wir uns den Hof vorgestellt – eben wie einen x-beliebigen Bauernhof, den wir aus Deutschland kennen. Aber Rumänien schafft es einfach immer wieder, zu überraschen, und uns mit unseren eigenen Vorstellungen und Vorurteilen zu konfrontieren. Natürlich hat die Familie von Reni keinen Bauernhof in dem Sinne, wie wir ihn aus Deutschland kennen. Aber spannend war die Konstruktion, die sich die kleine Familie in den Wiesen vor Bögöz zusammengebaut hat, allemal – zumal, wenn man die Hintergründe des Hofes kennt.

Uns erwartete also kein Backsteingebäude, sondern zwei windschiefe Holzhäuschen, die über ein Dach verbunden waren und in einen notdürftig mit einer Plane abgedeckten Unterstand übergingen. Daneben ein alter, verroster Wohnwagen, der einen Hauch von Zirkus versprühte, und vor allem: endlose Weiden, auf denen die Tiere ganz ohne Umzäunung grasten. Renis Familie erlaubte uns auch einen Blick in die Hütte – und siehe da, die Hütte war gar kein Stall! In einer der zwei Hütten wurde Käse aus Schafsmilch hergestellt, in der anderen schliefen zwei Familienmitglieder, auch im Wohnwagen war ein Bett, das gar nicht mal so ungemütlich aussah. Staunen mussten wir aber vor allem über das Bett von Renis Vater: Es befand sich aus Holz und festen Planen zusammengebauten Verschlag direkt neben der Schafsweide, auf der gerade die Schafe gemolken werden – natürlich von Hand, nicht elektronisch. Warum? Nun ja, Renis Familie besitzt zwar ein großes Haus direkt neben der Pension von Irenke, schläft aber im Sommer immer bei den Tieren, draußen in dern Hügeln von Bögöz. Um sie vor Fremden zu schützen – dazu haben sie vier große, lautstarke Hunde zur Hand – aber auch vor wilden Tieren. Vor allem Renis Vater schläft so nah bei den Schafen, um sie gegen Wölfe und Bären zu schützen. Bären und Wölfe? Keine Sorge, versicherte Reni schulterzuckend, die seien eh nur im Frühjahr und Herbst auf der Jagd, im Sommer würden sie sich den Bauch mit Beeren (oder eben anderen Tieren) den Bauch vollschlagen.

Zuerst einmal herrschte großes Unverständnis unter den Kindern darüber, warum man denn nachts immer draußen bei den Tieren schlafen würde, wenn man doch in Bögöz ein großes Haus besäße. Und das noch von April bis November! Dann aber, überlegte sich der ein oder andere, wäre es vielleicht doch ganz spannend, mal ein paar Nächte in der Wildnis zu verbringen, mit bellenden Hunden, blökenden Schafen und sternklarem Himmel. Für den uns angebotenen Schafskäse konnte sich zwar keines der Kinder wirklich begeistern (der war aber auch streng!), an der Lebensweise fand aber doch der ein oder andere gefallen. Schließlich sei es schön, immer draußen zu sein, direkt bei den Tieren, dort, wo die Grillen zirpen und vielleicht ab und zu ein Bär vorbeischaut. Und schließlich, wie es dem schlaftrunkenen Noah auf dem ruckelnden Rückweg auffiel, könne man dann auch jeden Tag den Sonnenuntergang beobachten; der sei schließlich in Rumänien immer viel schöner als in München.