Magische Momente

Der fünfte Tag in Rumänien sollte für unsere Jungs und Mädels zum anstrengendsten des bisherigen Trips werden. Früh morgens um 8:00 Uhr traten die Teams nochmal zum Training an. Mit dabei war diesmal auch Falk, der am Tag zuvor angereist war, um einen Beitrag über unser Projekt zu drehen. Bevor die Einheit begann, gab es aber eine Überraschung für alle: neue Bälle! Von wem wir die Bälle haben, erzählen wir euch in einem anderen Beitrag. Auf jeden Fall freuten sich alle darüber, endlich wieder mit Bällen spielen zu können, die nicht nur noch einen Hauch Rest-Grip hatten.

Nach dem Training und einem kurzen Frühstück war erst einmal Freizeit angesagt, bis es dann am frühen Nachmittag in Richtung Berge ging. Der Plan war, gemeinsam mit dem örtlichen Pfadfinderverein in der Natur zu übernachten – auf einem umzäunten Gebäude, der ein oder andere sorgte sich trotzdem vor den Bären, die immer wieder in der Region umherstreifen. Unsere Pfadfinder waren jedoch unbesorgt. Kein Bär würde sich in die Nähe eines hoch lodernden Feuers und einer großen, lärmenden Gruppe begeben (und man nimmt wohl nichts vorweg, wenn man verrät: er sollte natürlich Recht behalten).

30 Kilometer von Bögöz entfernt machten wir uns also auf zum Zelten – aber nicht auf direktem Wege, sondern über einen Umweg, der uns zu einem der schönsten Aussichtspunkte der Region führte. Die Strecke war sehr steil und wir legten in 45 Minuten knappe 800 Höhenmeter über Waldwege und zum Teil schwierige Passagen zurück – nicht alle Kids waren begeistert. Der Ausblick, der sich zwischendurch aber bot, war atemberaubend und entschädigte für die Mühen. Den Kindern war die Anstrengung anzumerken, und als wir ganz oben waren, freuten sich alle, dass es nun nur noch bergab ging. Zudem war der einsetzende kurze Regenschauer eine willkommene Erfrischung. Nach kurzer Zeit erreichten wir eine kleine Lichtung, wo uns die Pfadfinder ein paar ihrer Spiele zeigten, die die Stimmung unmittelbar aufhellten und die vorangegangenen Anstrengungen wieder vergessen ließ.

Nach der wohlverdienten Pause gingen wir wieder in Richtung unseres späteren Schlafplatzes. Etwas abseits vom Wald gab es ein Pfadfindercamp mit ein paar Häusern und Zelten, die uns als Schlafplatz für die Nacht dienen sollten. Erst aber bereitete unser Reiseleiter Örs das Abendessen vor, während sich die Kids beim Fußballspielen die Zeit vertrieben. Seine Version eines Chili con Carnes – mit ungarischer Wurst anstelle von Hackfleisch – fand großen Anklang.

Den Abschluss des Abends bildete ein großes Lagerfeuer – und vor dem Schlafengehen bewunderten die Kids den wunderschönen Sternenhimmel. Einhelliges Fazit: der wäre in Deutschland selten so schön.

Als die Sonne am nächsten Tag aufging und alle noch schliefen, konnten einige Coaches noch ein letztes Mal die Idylle dieses magischen Ortes bewundern – ebenso wie die profunde Stille, die man in München nur selten genießen kann. In einigen Stunden würden die Kinder wieder wach werden, es würde wieder laut werden, doch bis dahin konnte man noch einmal in sich gehen – und sich freuen, bei einem so großartigen Projekt solche überragenden Momente erleben zu dürfen.

 

Die großen Spiele

Es geht ums Werfen beim Basketball. Ums Passen, Dribbeln, Laufen, Freimachen, Verteidigen, Rebounds holen. Aber das beste Team ist nichts, wenn der Zusammenhalt nicht stimmt. Die Kommunikation auf dem Spielfeld zählt, das Verständnis der Spieler untereinander, für die eigenen und gemeinsamen Stärken und Schwächen.

Um genau diesen Zusammenhalt und die Kommunikation innerhalb des Teams drehte sich der heutige Tag – und natürlich, wie könnte es anders sein, auch um die Freude am Spiel. Neben dem Training standen heute also „die großen Spiele“ auf dem Programm – 14 insgesamt, die die Kids in fünf Teams bewältigen mussten. Zugegeben, ganz so ernst und konzentriert wie sonst manchmal auf dem Spielfeld ging es nicht zu, dafür eignen sich Spiele wie Papierflieger basteln, Penne mit einer im Mund gehaltenen Spaghetti aufsammeln oder sieben Luftballons zu acht über eine Strecke von zehn Metern zu transportieren – ohne die Hände zu benutzen – einfach nicht.

Aber sie setzen voraus, dass man miteinander kommuniziert, auch wenn man die Sprache des Anderen nicht einmal ansatzweise versteht. Das ging natürlich nicht ganz reibungslos, vor allem, weil einige Aufgaben danach verlangten, erst einmal in Ruhe analysiert zu werden. So sah die Aufgabe, mit allen Teammitgliedern durch ein von uns aufgebautes Netz zu klettern, auf den ersten Blick fast zu einfach aus – wäre da nicht die Einschränkung gewesen, dass jedes Teammitglied jedes Feld nur einmal benutzen durfte. Blöd, wenn die Kleinen durch die untersten Felder schnell auf die andere Seite kletterten, und die Großen auf der anderen Seite zurückblieben. Schlauer wäre es gewesen, die Kleineren erst einmal durch die oberen Felder zu heben – auf diese Strategie konnten sich leider nicht alle Teams verständigen.

Für besonders viel Spaß sorgten die Spiele, in denen Wasser von A nach B transportiert werden musste. Zum Beispiel, in dem es von einem Becher in den nächsten gegossen wurde. Der Clou: Der „Einschenkende“ musste den Becher auf dem Kopf halten, der am Boden liegende „Empfänger“ auf der Stirn. Kein Wunder, dass alle Nass waren, bevor der Regen einsetzte.

Die Ruhe, die sich einstellte, während die Kids Schutz vor dem Regen suchten, nutzten die Erwachsenen übrigens nicht zum Ausruhen – sondern zum Basketballspielen.

 

Das große Turnier

Der Tag beginnt mit einer Verspätung. Der Busfahrer, der uns eigentlich um neun hätte einsammeln sollen, ist nicht da. Er habe uns vergessen, erklärt Evi am Telefon, sei aber auf dem Weg. Kurze Zeit später biegt ein verbeulter VW-Bus um die Ecke, aus dem ein kleiner, etwas wortkarger Mann mit Sonnenbrille springt. Vielleicht ist er auch einfach noch verschlafen. Er bedeutet uns, in den Bus zu steigen. Wir sind zu acht, nehmen die Nachzügler aus den umliegenden Dörfern mit; der Rest der Gruppe ist bereits vor einer Stunde mehr oder weniger pünktlich von einem großen Reisebus abgeholt worden, der einen Umweg fahren muss. Wir wollen nach Kézdivásárhely – kurz Kézdi –, das eigentlich nur 75 Kilometer entfernt liegt, und die Straßen dorthin sind nicht besonders gut. Google Maps führt für die Fahrt zwei Stunden Zeit ein, der Reisebus braucht drei. Einige der Straßen sind so schlecht, dass er sie nicht befahren kann, daher der Umweg, der die frühe Abfahrt verlangt.

Eine Dreiviertelstunde später als erwartet macht sich dann auch der VW-Bus auf den Weg – aber nicht nach Kézdivasarhély, sondern in Richtung Udvarhély, erstmal tanken. Mittlerweile sind wir doch ein kleines bisschen verärgert und bemühen uns, unserem Fahrer zu verstehen zu geben, dass wir spät dran sind, woraufhin er versucht, die verlorene Zeit durch waghalsige Überholmanöver aufzuholen. Also Kommando zurück, den Fahrer an Tempolimits erinnern – und in Kauf nehmen, dass wir eben dann ankommen, wenn wir ankommen.

Die Fahrt führt durch sanfte Täler und dunkle Wälder, über schnurgerade Landstraßen und enge Serpentinen. Unser Fahrer entpuppt sich als weniger wortkarg als anfangs erwartet, fragt uns regelmäßig, ob wir eine Pause brauchen, ob die Kids auf den Rücksitzen genug zu trinken haben und wird langsamer, wenn wir Fotos von der vorbeiziehenden Landschaft machen wollen (und, um zeitlich etwas vorzugreifen: Auf der Rückfahrt stimmt er sogar leise in eines der Lieder ein und klopft im Takt mit, zu dem der Rest des Busses lauthals mitsingt).

 

Warum fahren wir nach Kézdi? Weil der Trainer des dortigen Basketballvereins, der sich sonst so aktiv wie kaum ein anderer in der Szeklerliga engagiert, uns eingeladen hat. In den vergangenen Jahren ist sein Team nach Bögöz gekommen, um gegen uns zu spielen, dieses Mal haben sie ein Turnier für uns in Kézdi organisiert. Dort wartet jedoch kein Freiplatz vor Heuballenkulisse und Apfelbäumen auf uns, sondern eine vollausgebaute Dreifelderhalle mit hellglänzendem Parkett, auf die sicher auch einige Münchner Vereine ein bisschen neidisch wären. Die großen Augen der Bögözer Kids lassen jedoch vermuten, dass viele eine so große Halle – in der dazu auch noch Dutzende Kinder und Jugendliche in strahlendblauen Trikots, mit neuen Schuhen und Legwarmern herumspringen – tatsächlich zum ersten Mal sehen.

Vier Spiele sollen heute stattfinden. Und gleich das erste Spiel der U16 entpuppt sich als echte Zitterpartie. Die Hellenen legen vor, setzen sich mit einigen Punkten ab. Doch die Mannschaft aus Kézdi – die heute vor allem aus sehr großen und talentierten Basketballerinnen zu bestehen scheint – zieht nach, gleicht aus, und hat auf einmal mehr Zähler auf der Anzeige stehen als unser Team. Das bringt jedoch weder Sid noch seine Spieler und Spielerinnen aus der Ruhe, die zwar eine Weile hinten liegen, durch eine gute Verteidigung und ein paar glückliche Punkte auf einmal gleichziehen – sechzig Sekunden vor Schluss. Es folgt ein Hin und Her, dann fällt doch noch ein Korb – für uns. Ein paar Sekunden später legt Bence noch einen Buzzerbeater nach, dann pfeift der Schiri ab. 1:0 für uns.

Es folgt das Spiel der Kleinen – allerdings all jener, die schon etwas Basketballerfahrung gesammelt haben. Sie schlagen sich wacker, kämpfen um jeden Ball. Immer wieder pfeift der Schiri zum Jumpball, die meisten davon hat die Mannschaft Mona zu verdanken, die immer wieder mutig dazwischen greift, wenn sich die Chance ergibt. Der Einsatz zahlt sich aus, die Mannschaft gewinnt.

 

Auch das dritte Spiel beginnt ausgeglichen, Aufbau Silver zieht oft von links zum Korb und – wenn er ausnahmsweise nicht trifft – auch das Foul. Einige Freiwürfe werden verwandelt, doch dann hapert es an der Verteidigung und an der Genauigkeit des Passspiels. Kézdi setzt sich ab, während man dem Team aus Bögöz-München anmerkt, dass es eben doch nicht ganz so regelmäßig zusammenspielt. Aufgeben will aber keiner, stattdessen hechten die Kids bis zum Abpfiff jedem Ball hinterher, bleiben an ihren Gegnern dran, ziehen zum Korb, werfen von draußen. Es nützt nichts, am Ende liegen sie hinten.

Die Kleinsten aus Bögöz, von denen viele noch gar keine Basketballerfahrung haben, treten danach an. Die meisten kennen zwar die Fußfolge zum Korbleger noch nicht, tragen ihre BC-Bögözi-Udvar-Trikots aber mit Stolz. Lange ist das Spiel ausgeglichen, es fallen einfach kaum Körbe. Dann aber fallen ein paar, leider in unseren Korb. Am Ende steht es 7:12, begeistert sind die Bögözer Kids trotzdem von ihrem ersten gemeinsamen Spiel. Würde man den Vergleich mit Kézdi suchen, es stünde ausgeglichen. Und vielleicht ist es ja wirklich so, wie es Robel am Ende des Tages formuliert: „Im Großen und Ganzen haben wir alle gewonnen.“

Das gilt nicht zuletzt auch, weil wir alle das ausgesprochen feine Gulasch und Kürtöskalács essen durften, dass die Eltern des Kézdi-Teams für uns vorbereitet hatten. In drei großen Eisentöpfen brodelte die Suppe direkt über dem offenen Feuer, fotografiert werden durfte es nicht, eher der Koch noch einmal umgerührt hatte, man müsse ja die Kartoffeln und das Fleisch auf den Fotos sehen, betont er. Auch wenn Gulasch vielleicht nicht die fotogenste Speise der Welt ist, lecker ist es allemal, vor allem, wenn man Weißbrot und eingelegtes Kraut dazu essen kann – ein Festmahl an der Bierzeltgarnitur. Am Ende bleiben sogar noch ein paar Nachspeisen über. Die Kézdi-Eltern beharren darauf, dass wir sie mitnehmen. Wir hätten ja noch eine lange Fahrt vor uns.

Es war ein langer, anstrengender, aufregender und schöner Tag in Kézdi. Und gewonnen haben wir ja irgendwie auch alle. Auf der Rückfahrt singen wir mit dem Busfahrer, der uns schon wieder überrascht, weil er mehr Lieder kennt, als wir gedacht hätten. Außerdem muss er alle paar hundert Meter für uns bremsen, weil wir Fotos machen wollen. Anscheinend hat es einen regelrechten Sturzregen gegeben, während wir in Kézdi waren. Die Straßen und Wiesen sind nass, das Wasser verdampft in der untergehenden Sonne. Wir schwärmen davon, wie schön Rumänien sei. Unser Busfahrer rümpft die Nase. Ja, schön sei es schon, aber sonst seien viele Dinge schlecht. Die Bezahlung beispielsweise, die Bürokratie. Ob er jemals woanders hinziehen wolle, fragen wir ihn. Er zieht die Augenbrauen hinter seiner großen Sonnenbrille hoch.

Nein, auf gar keinen Fall.

Ehrenmann, Alter!

Neues Jahr, neue Regeln: Im Camp Bögöz ging es heute bereits vor dem Frühstück los – bereits um acht Uhr in der Früh mussten sich unsere Hellboys und Hellgirls beim von der Morgensonne gefluteten schönsten Platz der Welt einfinden. Anscheinend zu früh für einige, die zunächst völlig verschlafen unter dem Korb saßen, während die Uhrzeit den Szeklerjungs und –mädels, die derweil schon munter zockten, gar nichts auszumachen schien.

Erst als das letzte Gähnen unterdrückt war, fingen die „Großen“ mit dem Athletiktraining an. Coach Sid legte besonders viel Wert auf Koordination und Reaktionsfähigkeit. Die Kleinen übten parallel das Ballhandling und probten sich in verschiedenen Abschlussvarianten am Korb. Nach 45 Minuten wurden getauscht. Während es beim Athletiktraining nun etwas spielerischer zuging, passten die Großen hin und her – eine Übung, bei der sich gerade bei den Bögözer Kids noch einige Defizite zeigten. Nach getaner Arbeit – zwei Stunden Training in angenehm kühler Morgenluft – durften die Kids sich dann auf das Frühstück stürzen, danach war Freizeit angesagt. Für den Nachmittag war ein Besuch im Schwimmbad angesetzt.

Weil wir nicht zu spät ins Schwimmbad wollten, rief Irenke schon um 12 wieder zum Mittagessen. Das Hühnchen und den Erbsenreis – Risibisi, im Ungarischen – verschlangen trotzdem alle, auch wenn die meisten Mägen noch vollgewesen sein dürften. Wir nehmen das als Kompliment an Irenke.

Wie immer fuhren wir mit dem Zug nach Székelyudvarhély, der zwar nicht ganz regelmäßig, aber doch immer ungefähr zur selben Uhrzeit den Bögözer Bahnhof anfährt, der aus ein paar alten Holzbalken neben rostigen Schienen besteht. In Deutschland würde er wohl kaum als Bahnhof durchgehen, der dieselbetriebene Zug, der uns kurze Zeit später einsammelte, schien im Gegenzug geradezu futuristisch. Nach knapp zehn Minuten Fahrt und weiteren zehn Minuten Fußmarsch erreichten wir das Freibad. Dort amüsierten sich Bögözer und Deutsche zusammen an den Rutschen, am zwei-Meter-Brett, sowie beim gemeinsamen Wasserbasketball. Auch versuchten einige der Jungs, den Coaches einen Vorwärtssalto vom Sprungbrett beizubringen, was nur Miri halbwegs gelang. Dennoch – oder gerade deshalb – hatten alle viel Spaß in den knapp drei Stunden, die wir zusammen verbrachten.

Auf dem Rückweg waren die meisten Kids vom Schwimmen zwar schon völlig erschöpft, aber Ausruhen war erst für später angesetzt, zunächst wartete noch eine weitere zweistündige Trainingseinheit zusammen mit den Bögözern. Im Athletiktraining wurde nun vor allem auf defensive Koordination geachtet. Dann wurden ein paar Spiele gespielt, bei denen sowohl Sid als auch einige der deutschen Kids ein paar Brocken Ungarisch lernten. Im Laufe des Tages hatten die Münchner den Szeklern schon ein paar Worte beigebracht. Absoluter Favorit unter den neu erlernten Worten: Ehrenmann.

Als nach einem langen Tag endlich das Abendessen, stürzten sich alle wie verhungert auf Griesbrei mit Zimt – und waren froh, nach dem harten Training endlich wieder essen zu können. Der lange und intensive Tag machte sich bei allen bemerkbar, und so fiel die Besprechungsrunde doch sehr kurz aus.

Dabei geht es am nächsten Tag genau so intensiv weiter – wir fahren zum Turnier nach Kézdivasárhély!

 

We’re back!

Der erste Tag in Bögöz ist wie im Flug vergangen – und es war gar nicht schwer, sich wieder einzuleben. Los ging es für die Hellenen schon am Vorabend beim Check-in, wo die Kids ihre Koffer vorab aufgeben konnten. Denn das wäre vor dem Flug 8:45 Uhr nach Sibiu (Herrmannstadt) vielleicht doch etwas zu stressig geworden.

Die Reise startete durch den frühen Flug nämlich schon um 6:45 Uhr – morgens. Für die meisten bedeutete das, dass sie sich bereits um 5 aus den Betten quälen mussten, was man vielen Gesichtern am Flughafen anmerkte. Nach der Ausgabe der Trikots verabschiedeten sich die Kids von den Eltern, machten sich auf durch die Sicherheitskontrolle und gingen zum Gate, wo sich Katalina und Aron anschlossen, die aus Köln angereist waren – für sie war der Tag bereits um viertel vor vier gestartet. Der Flug nach Sibiu war ruhig und ohne nennenswerte Turbulenzen, sodass wir pünktlich um 11:30 Uhr Ortszeit am Flughafen Sibiu ankamen, wo bereits ein Busfahrer auf uns wartete.

Kaum eingestiegen, beschwerten sich die Jungs über fehlende Klimaanlage, die aber dann doch eingeschaltet wurde und langsam, aber sicher, ihre Arbeit aufnahm. Zweieinhalb Stunden Fahrt waren angedacht, aber schon nach einer Stunde steckten wir im Stau fest. Die Kids beschäftigten sich mit Kartenspielen und diskutierten munter, während einige doch ein paar Stunden Schlaf nachholten. Um 15:10 Uhr war es endlich soweit und unser Bus erreichte die Pension von Irenke ­– unter dem Jubel der Mitfahrenden.

Dort wartete eine kleine Überraschung auf uns: Der Hof wurde im vergangenen Jahr umgebaut. Aus der Scheune wurde ein weiteres Gästehaus, mit offenen Schlafzimmern unter dem Dach und einem Aufenthaltsraum im Erdgeschoss. Nachdem alle Teilnehmer ihre Zimmer bezogen hatten, wartete auch schon das Mittagessen, das Irenke wie immer für uns zubereitet hatte: selbstgestampfter Kartoffelbrei und Schnitzel, die – nachdem dann auch der heißgeliebte Ketchup auf dem Tisch stand – bei allen sehr herzlich aufgenommen und ziemlich schnell verspeist wurde.

Nach dem Essen ging es dann endlich auf den wohl schönsten Freiplatz der Welt, zusammen mit den Bögözern. Von den heimischen Kids waren so viele erschienen, dass wir spontan ein kleines Turnier mit vier Mannschaften organisieren konnten. Nach dem ersten Spiel überreichten uns einige Eltern, die zum Zuschauen vorbeigekommen waren, etwas ganz Besonderes: Zum Dank für unsere Mühen überreichten sie uns einen Kalender mit Bildern der Bögözer Kids und einen Präsentkorb mit Marmelade und vielleicht auch dem ein oder anderen Schnaps.

Im Anschluss an das Turnier gab es ein großes Get-Together – natürlich mit Gulasch und einer deftigen Nachspeise, Ausg’zogene. Danach folgte für die Münchner Kids wie immer die Fazit-Runde. „Cooler Tag“, war das nicht ganz differenzierte, aber doch einhellig begeisterte Fazit aller Kinder. Das Wiedersehen mit den rumänischen Freunden war ebenfalls „cool“, und viele versprachen, trotz der Sprachbarriere die Kommunikation zu verbessern.

Im Großen und Ganzen war vieles wie in früheren Jahren, und doch einiges anders. Es freuen sich aber alle auf den kommenden Tag, denn dann geht das Training richtig los – und es geht ins Schwimmbad.

Final

Eine Woche sind wir nun in Bögöz gewesen! Eine wunderschöne Woche, in der nicht alles nach Plan lief, aber die vielleicht auch gerade deswegen unvergesslich bleibt. „Die Woche war cool“, lautet dementsprechend der Schlusssatz von Silver bei der abendlichen Zusammenkunft in der Scheune.

Am Freitagmorgen steht zunächst erneut Training auf dem Programm. Am Nachmittag haben wir zum Abschluss des Camps die Mannschaft aus Csíkszereda eingeladen. Das Wetter meint es gut mit uns und so kann das Spiel nun endlich auch auf unserem Basketballfeld in Bögöz stattfinden. Wir haben die Nachbarschaft eingeladen, die uns hoffentlich mit „Let’s go Bögöz, let’s go“-Rufen lautstark unterstützen wird. Da wir hier eine gute Figur machen wollen, wird nun intensiv am Ballhandling und Cutting gefeilt. Zu guter Letzt gibt es ein Defense Drill, welches immer wieder die Konzentration und Koordination unserer Jugendlichen auf die Probe stellt. Nach dem Training gönnen sich alle eine Stunde Pause, bevor wir uns mit Fleischbällchen und Nudeln den Magen voll schlagen.

Um 12:30 Uhr liegt ein weiteres Highlight vor uns: Csabi und Ákos wollen uns den Ort Béta zeigen, der ungefähr drei Kilometer von Bögöz entfernt liegt. Sie gehen voran und sind unsere stolzen Fremdenführer. Jedes Mal, dass ein Auto kommt (wir gehen auf der Straße, da es keine Gehwege gibt), wird laut „Autoooo“ oder die ungarische Version „Kocsi“ geschrien. Wir erreichen das malerische Béta, gehen durch die Straßen, vorbei an Häusern, die alle von Wachhunden bewacht werden. Im einzigen Laden des Dorfes kaufen sich alle ein paar Süßigkeiten. Vorbei an der Kirche machen wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Bögöz. Wir treffen Bálint und Attila, die uns mit dem Fahrrad entgegen fahren. Csabi erschreckt hier und da die Gruppe, indem er aus dem Wald springt und so tut als wäre er ein Bär. Den hat Évi ja schließlich einen Tag vorher am Ortsausgang „getroffen“.

Während die Kids also „on the road“ sind, statten Miri und Sandy den Roma-Familien im Dorf einen Besuch ab. Mittlerweile ist es uns gelungen, im mittleren und kleinen Team einige motivierte und auch zum Teil sehr talentierte Romas zu integrieren. Das nämlich, ist einer der Grundgedanken von Basketball Leben. Kinder aus verschiedensten sozialen Schichten zusammen zubringen. Das diese Familien meistens nicht oder nur sporadisch bei Facebook sind, die Plattform über die wir mit den Familien kommunizieren, möchten wir sie persönlich über unsere weiteren Plänen informieren. Im ersten Jahr unseres Camps hatten wir die Roma-Familien bereits besucht. Damals wie heute freut man sich sehr über unseren Besuch und bittet uns hinein, in das winzige Zimmer, das einer Familie mit 4 Kindern gehört. Hier wohnt unser Basketballkind Ferenc. Seine Mutter sagt uns, dass er das Training liebt und unbedingt weitermachen möchte. Auf die Frage, ob er auch beim Wintertraining in Udvarhely dabei ist, kommt sofort ein klares „Ja!“. Udvarhely ist die nächste Kleinstadt, in der es einige wenigen Sporthallen oder Sporträume gibt. Wir mieten einen dieser Sporträume und organisieren einen Bus, der die Kinder von Oktober bis April dorthin bringt. Diese Kosten werden von den Spendengeldern an unseren Verein „Basketball Leben e.V.“ bezahlt.

Um ca. 14:30 Uhr sind treffen wir uns an diesem Tag alle wieder bei Irénke.

Zwei Stunden haben wir noch vor dem ersten Heimspiel des „mittlerenTeams“ gegen Csíkszereda. Während Coach Attila das Team vorbereitet, macht sich Sid für seinen nächsten Schiedsrichtereinsatz bereit. Miri und Sandy übernehmen den Part von Steffi, die am Nachmittag schon abreisen musste und machen Fotos mit Attilas Kamera. Dann geht es los. Die „Bögöz közepes“ gegen die Gegner aus der Stadt. Schnell wird klar, dass die größeren und körperlichen Gegnern unseren Kids keine Chance lassen würden. Nach drei Vierteln liegen wir mit über 30 Punkten zurück. Das Spiel plätschert vor sich hin und am Ende wird es doch ein eindeutiger Sieg. Beim zweiten Spiel dürfen dann die Großen gegen die selbe Mannschaft ran. Diesmal sind wir körperlich überlegen, und nach einem Viertel steht es 23:9. Mit 16 Leuten ist es für die Coaches Miri und Huba zwar schwer jedem gleichviel Spielzeit zu geben, doch alle machen das Beste aus der eingesetzten Spielzeit. Fast jeder trifft am Ende beim eindeutigen 40 Punkte Sieg.

Nach dem Spiel gibt es ein großes Abschiedsessen von Irénke für uns alle. Gemeinsam essen wir und genießen die untergehende Sonne über dem schönsten Freiplatz der Welt. Es war eine Woche voller toller Ereignisse, die sich in den Gedächtnissen unserer Hellenen eingebrannt hat. „Ich könnte hier wohnen“, meint Robel. „Ich vermisse mein Handy gar nicht“, diskutierten Maria und Amalia noch beim Spaziergang durch Béta. Was allen bleiben wird, sind die tiefen Freundschaften, die sie mit den Bögözer Kids geschlossen haben. Vor allem die die das erste Mal da waren, erzählen aufgeregt von den Highlights ihres Aufenthalts und wollen alle wiederkommen! „Spoiler alarm, ich bin nächstes Jahr wieder hier“, so Noah.

Auch für uns Coaches war es ein wunderschönes Erlebnis in Rumänien! Mit einem weinenden Auge werden wir morgen um 11 in den Bus steigen und zum Flughafen fahren. Dann bleibt uns genau ein Tag und der Münchner Alltag hat uns wieder.

Danke Bögöz, danke, danke, danke!

Chaos-Rallye im Garten von Irenke

Unser Aufenthalt hier in Rumänien neigt sich langsam dem Ende zu. Das merkt man auch beim morgendlichen Training. Einige der Kids schwächeln bereits beim Athletiktraining. Am Ende eines einwöchigen Basketballcamps ist das mehr als verständlich.

Dennoch bleiben sie konzentriert und auch bei den Übungen zeigen sie Teamfähigkeit und Ausdauer. Anschließend gibt es Mittagessen. Generell werden wir heute nicht die Pension verlassen, da wir ein spannendes Spiel mit all unseren Kindern geplant haben. Zuvor ist etwas mehr Freizeit eingeplant. Die Coaches nutzen sie, um eine Chaos-Rallye vorzubereiten. Dabei sollen die Kids nach Hinweisen auf Karteikarten suchen, sich Passwörter auf Deutsch und Ungarisch merken und verschiedene spannende Fragen und Aufgaben rund um das Thema Basketball lösen. Die Karten sind im gesamten Garten verteilt und die Teams schminken sich in fünf verschiedenen Farben um Ihre Teamzugehörigkeit zu demonstrieren. Dann geht es auch schon los. Mit Worten wie Szekler, Szia, Oachkatzlschwoaf und Hakuna Matata stürmen die Kids auf uns Coaches zu, um die Antworten zu geben und ihr Schicksal von der Jury, bestehend aus Miri, Sandy, Steffi und Sid zu erfahren. Es kristallisieren sich die Teams Blau und Gelb als klare Favoriten heraus, die bei 50 Feldern schon einen erheblichen Vorsprung vorweisen. Team weiß jedoch kämpft sich zurück und holt beinahe den Sieg, den am Ende aber Team Gelb feiern kann.

Im Anschluss gibt es wieder zwei Stunden Pause, bis das Abendtraining mit Fastbreak, Passen und Abschlussvariationen anfängt. Auch Cut’n Fill steht auf dem Programm. Das Abendessen ist dann wieder besonders. Aufgrund der erhöhten Lautstärke entschließt sich Sid den Kindern komplett das Reden zu verbieten, solange gegessen wird. Daraus entstehen witzige Situationen, in denen die Kinder gestikulierend versuchen sich zu verständigen. Wir Coaches interpretieren (absichtlich) alles falsch. Diese Pantomime wird bei der Abendbesprechung übernommen, was zu urkomischen Situation führt.

Morgen stehen ein paar Spiele auf dem Programm und wir machen eine kleine Wanderung… ach ja, die Evi hat heute beim Verlassen des Dorfes einen Bären gesehen. Aber auch das ist ein Teil des Abenteuers! Let’s go Bögöz!

Von Schienen, Hängebrücken und Pfeil und Bogen

Ein neuer Tag bricht an beim Basketball Leben Camp und es ist leider trüb und nass um acht Uhr morgens, als die Jungs und Mädels zum Frühstück kommen. Wie gestern schon, stehen um 9:00 Uhr Basics mit Miri und Athletiktraining mit Sid auf dem Programm. Heute werden Miri und Huba von David, Caspar, Robinson, Maria und Theresa beim Kindertraining unterstützt. Das Athletiktraining ist heute etwas intensiver. Neben dem Weg um unsere Pension wird die Kirche zweimal umrundet. Nach dem Training gibt es wieder ein Spiel, allerdings werden die Teams in Ältere und Jüngere aufgeteilt.

Etwas Freizeit genießen wir vor dem Mittagessen, danach will uns Csabi die Hängebrücke zeigen, nicht wissend, dass wir sie schon ein paar Tage zuvor überquert haben. Trotzdem hat man das Gefühl, dass mittlerweile weitere Bretter fehlen. Da gerade keine Bahn in Sicht ist, gehen wir entlang der Zugstrecke Richtung Ortseingang, balancieren auf den Schienen und unterhalten uns angeregt mit den Bögözer Kids. Danach nutzen die Coaches eine kleine Pause in Irenkes Pension, um etwas Schlaf nachzuholen. In der Zwischenzeit toben sich sich die Kinder auf dem Feld aus. Um 14 Uhr besucht uns Örs mit seinem Sohn und seiner Frau.

Örs ist der Leiter der Pfadfindergruppe in Bögöz. Man muss dazu sagen, dass neben dem Basketballplatz in Irenkes Hof, die Pfadfinderei die einzige Nachmittagsbeschäftigung ist, die die Kids im Ort haben. Örs ist sehr engagiert, kennt alle Kids aus der Nachbarschaft und hat sie vor Kurzem zum Pfadfindercamp eingeladen. Nun steht er hier, mit Flaggen und einem Cricketschläger. Er erklärt die Regeln des ersten Spiels. Dazu werden die Bögözer und die Münchner in zwei gemischte Teams aufgeteilt. Auch Sandy, Miri und Sid machen mit. Beim Spiel, dass eine Mischung aus Brennball, Cricket und Baseball ist, zeigen unsere Kids ihre sportlichen Fähigkeiten, auch wenn hier und da der Ball aus der Hand rutscht. Nach drei Spielen geht es weiter mit einem „Capture the Flag“ (Erobere die Fahne). Unter den Körben des Basketballfelds werden die Flaggen gestellt, und jedes Team muss jeweils versuchen die Flagge auf der anderen Seite des Feldes zu holen ohne dabei gefangen zu werden. Das daraus resultierende Chaos ist zwar vorprogrammiert, aber es macht allen Kindern Spaß, sich unter der langsam auftauchenden Nachmittagssonne zu bewegen. Eine letzte Besonderheit hat Örs für unsere Münchener Kids noch im Gepäck. Ein professionelles Set mit Pfeilen und Bogen. Unsere Begeisterung ist beinahe greifbar, als wir nacheinander versuchen, die 15 Meter weiter ausgelegte pinkfarbene Zielscheibe zu treffen. Das gelingt nur den Wenigsten. Monty beispielsweise trifft mit dem ersten Pfeil ins Schwarze, landet aber keinen weiteren Treffer in Umkreis von 3 Metern um die Scheibe. Noah schafft es den Pfeil über den Holzbalken zu schießen und Sandy wollte mit ihrer Weite wohl einen neuen Weltrekord aufstellen.

Nichtsdestotrotz finden wir alle nach diesem anstrengenden Nachmittag nochmal Kraft um um 18:30 am Abendtraining teilzunehmen, wo wieder Dribbeln, Fastbreak und Cut and Fill auf dem Programm stehen. Einige der Grundlagen des Vortages sind noch hängengeblieben und die Coaches sind zufrieden mit der Entwicklung unserer Schützlinge. Unmittelbar danach hat uns Irenke erneut etwas Köstliches gezaubert. Etwa eine Stunde später findet die Abendbesprechung in der Scheune statt. Das Schlusswort von Mariam fasst die Meinung aller Hellenen gut zusammen: „Ich fand den heutigen Tag cool. Gute Nacht!“

Das fanden wir alle! Morgen sind 23° und Sonne angesagt.

Bei diesen sommerlichen Temperaturen lässt sich bestimmt einiges machen. Wait and see!

Flüsterpost und Achterbahnfahrt

Heute ist nun endlich wieder Training angesagt. Um kurz vor acht klingelt der Wecker für die Coaches und für die Münchner Kids heißt das, es ist Zeit zum frühstücken. Der heutige Tag verspricht spannend zu werden. Am Anfang steht für die kleinen und mittleren Bögözer- und Hellenenteams 90 Minuten Basicstraining auf dem Programm.

Dank Flüsterpost und einem Facebookpost stehen die kleinen, mittleren und großen Bögözer Kids pünktlich um 9 Uhr auf dem Basketballfeld. Einige der Münchener Spieler hatten sich bei der Besprechung am Vortag freiwillig als Coaches gemeldet, und dürfen heute zusammen mit Miri den Kleinsten Korbleger, Dribbelstart und Defense beibringen. Die Großen werden von Sid beim Athletik-, Koordination- und Krafttraining gefordert. Dazu gehören eine Runde Lauftraining durch Bögöz, Partnerpushups und Geschicklichkeitstests.

Anschließend genießen wir ein bisschen die freie Zeit, bevor wir nach einem ausgiebigen Mittagessen von zwei Pferdekutschen abgeholt werden. Wir fahren durch Morast und über Hügel und Täler auf dem Weg zur Farm, auf der wir letztes Jahr schon übernachtet hatten. Leider war Renis Familie nicht da, als wir ankamen. Vorbei an Kühen und Hausschweinen, Schafen und Wachhunden halten wir auf eine große Wiese. Wir haben nicht viel dabei, ausser einer Frisbee und jeder Menge Grashüpfer. Kaum angekommen zeigen die Bögözer den Münchnern, wie man sie fängt und es bricht ein Wettbewerb aus, wer den Größten gefangen hat. Nach kurzer Zeit finden sei ein besonders schönes und grünes Exemplar. Es wird „Big Daddy“ getauft. Beim Frisbee spielen oder beim Erkunden des naheliegenden Waldes kommen sich die Bögözer und Münchner Kids näher, sogar die, die das erste Mal dabei sind überwinden langsam die Sprachbarriere. „Es kommt mir vor, als würde ich sie schon sehr lange kennen“, sagt Maria später bei der Abendbesprechung. Nach knapp zwei Stunden machen wir uns auf den Rückweg. Unsere beiden Kutscher entscheiden sich dabei für eine andere Strecke. Wir wollen durch den Wald Richtung Hügel fahren, wo wir einen atemberaubenden Blick auf unseren Ort und die Umgebung genießen können. Mit der Kutsche diese Höhen zu erreichen ist dann doch kniffliger als gedacht. Es gibt viele enge Passagen im Wald, das Terrain ist uneben und man muss sich doch etwas fester halten, um nicht von der Kutsche zu fallen.

Für unsere sportliche Gruppe ist diese Achterbahnfahrt allerdings kein Problem. Alle genießen es, singen sogar Lieder oder beschäftigen sich mit dem ein oder anderen Quiz. Unser perfektes Timing, dass wir bis zu diesem Zeitpunkt in Rumänien bewiesen haben, bekommt einen kleinen Schönheitsfehler. Noch vor Rückkehr bei Irenke fängt es an zu regnen. Die kurze Erfrischung tut den Pferden gut, unsere Kinder freuen sich nun aber auf „Zuhause“.

Eine Stunde Pause haben wir noch. Danach geht es gleich weiter mit er zweiten Trainingssession des Tages. Etwas vorgezogen um 18:15 Uhr fangen wir mit 25 Kindern an. Auf Warmup mit Laufschule, Athletiktraining und Plyometrics folgen Pass- und Fastbreakübungen. Erweiterte Basics sollen geschult oder verbessert werden. Beim anschließenden 3-gegen-2 sieht die Ausführung durchaus ansprechend aus. Das Training wird mit einer „Reise um die Welt“ abgerundet und wir zeigen unseren Bögözer Freunden unsere „Cut-and-Fill“ Offense.

Nach dem Training gibt es Grießbrei zum Abendessen, bevor wir unsere abendliche Gruppendiskussion in der Scheune fortführen. Alle sind sich einig, dass der Tag ein Erfolg war. „Das Training war cool, aber es ist schon nervig, wenn man ein paar der Sachen öfter sagen muss“, fand Silver, der an diesem Tag einer der Spielercoaches war. Tja, ein Coach zu sein is definitiv nicht einfach.

Trotz allem werden die Coaches morgen wieder zwei Einheiten am Morgen und am Abend haben. Dazwischen stehen viel Spiel und Spaß und einige Abenteuer auf dem Programm. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Tief unter der Erde

Auch heute sind wieder Regen und Gewitter angesagt und unser ursprünglicher Plan, mit den Bögözern und Münchner Kindern zusammen ins Freibad zu gehen, muss wieder geändert werden.

Vor dem Frühstück um 9:00 Uhr gibt es für die Jungs und Mädels noch ein kleines Aufwärm(straf)programm mit Sid. Gleich darauf jedoch wartet ein leckeres Frühstück mit Wurst, gebackenem Käse und anderen Köstlichkeiten von Irenke auf uns. Um 10 Uhr steht ein Bus vor der Szekelykapu Pension. Wir haben noch 30 Minuten, um uns fertig zu machen, dann soll es nach Parajd gehen. Die Mutter von Bence, ein Spieler unseres Bögözer Basketballteams, hat sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt, um uns spontan einen Bus zu organisieren. Das hat perfekt geklappt und so brechen wir pünktlich auf in Richtung Parajd.

Nach 45 Minuten Busfahrt erreichen wir unser Ziel: das große Salzbergwerk. Hier heißt es nun umsteigen in den Bus, der uns in die 480 Meter tief gelegene Grube fährt. Die letzten 200 Meter allerdings, laufen wir über die Treppen in die Höhle.
Vor zwei Jahren waren einige unserer Münchener Kids schon vor Ort. Die Jungs und Mädels, die es heute erleben, sind sofort beeindruckt. Tief unter der Erdoberfläche gibt es einen Spielplatz und einen Kletterpark. Hochseilparcours und Indoorspielplätze kennen unsere Münchner Kinder bereits von daheim. Diese unwirkliche Atmosphäre weit unten in der Höhle von Parajd macht es aber dennoch zu einem besonderen Erlebnis. Schnell entscheiden sich alle Kids für den Spielplatz und gegen den Kletterpark. Eine Stunde haben die Kinder auf Hüpfburgen, Luftrutschen und Kletterwänden. Danach geht es weiter mit der Besichtigungstour. Die Kirche inmitten der Salzmine ist eine Besonderheit und für alle, die noch nicht hier waren, erscheint sie unerwartet mitten im Bergwerk. Sie wird gründlich erkundet und dann machen wir uns auch schon wieder auf den Weg nach oben. Die 200 Meter langen Treppen die wir vorher hinabgestiegen sind, müssen nun auch wieder hinaufgeklettert werden. Auch für unsere sportlichen Kids ist das eine Herausforderung.

Oben angekommen stellen wir fest, dass der angesagte Regen bisher noch nicht eingetroffen ist. So machen wir uns auf den Weg ins örtliche Schwimmbad. Dort mussten wir feststellen, dass es sich um ein reines Freibad handelt, das uns bei diesen unbeständigen Wetter ungeeignet scheint. Man sagt uns, dass sich einen Kilometer weiter das Wellnesscenter befindet und nach knapp 15 Minuten Fußmarsch kommen wir dort auch an. Uns erwarten Whirlpools, Sauna, Dampfbad sowie ein braunes Salzwasserbad. Vor allem letzteres findet Anklang, auch wenn es gewöhnungsbedürftig scheint. Schließlich kann man sich hier, ähnlich wie im Toten Meer, auf das Wasser legen ohne unterzugehen. Aber auch die Rutsche ist cool und so vergnügen wir uns drei Stunden lang im Schwimmbad. Letztendlich entdecken wir das Heißwasserbad. Wir versuchen langsam darin einzutauchen, was schlussendlich einigen der mutigen Kids gelingt. Erschöpft, aber glücklich verlassen wir das Schwimmbad. Mit Langos und Sandwiches überbrücken wir den kleinen Hunger, bis uns der Bus wieder abholt.

Nach einem aufregenden Tag schlafen einige unserer Kids im Bus ein. Weiter hinten im Bus reden und singen die Münchner Kinder, bis wir wieder unser vertrautes Bögöz erreichen und uns zum gemeinsamen Abendessen mit Fleischpflanzerl und Gemüsereis treffen. Auch bei der abendlichen Gesprächsrunde spiegelt sich die Begeisterung des Tages bei den Kids wider.

Und so endet ein weiterer Tag in unserem beschaulichen Basketballcamp. Morgen soll es das Wetter nun endlich gut mit uns meinen, sodass wir hoffentlich mit unserem geplanten Basketball-Programm beginnen können.

Jó éjszakát!