Final

Eine Woche sind wir nun in Bögöz gewesen! Eine wunderschöne Woche, in der nicht alles nach Plan lief, aber die vielleicht auch gerade deswegen unvergesslich bleibt. „Die Woche war cool“, lautet dementsprechend der Schlusssatz von Silver bei der abendlichen Zusammenkunft in der Scheune.

Am Freitagmorgen steht zunächst erneut Training auf dem Programm. Am Nachmittag haben wir zum Abschluss des Camps die Mannschaft aus Csíkszereda eingeladen. Das Wetter meint es gut mit uns und so kann das Spiel nun endlich auch auf unserem Basketballfeld in Bögöz stattfinden. Wir haben die Nachbarschaft eingeladen, die uns hoffentlich mit „Let’s go Bögöz, let’s go“-Rufen lautstark unterstützen wird. Da wir hier eine gute Figur machen wollen, wird nun intensiv am Ballhandling und Cutting gefeilt. Zu guter Letzt gibt es ein Defense Drill, welches immer wieder die Konzentration und Koordination unserer Jugendlichen auf die Probe stellt. Nach dem Training gönnen sich alle eine Stunde Pause, bevor wir uns mit Fleischbällchen und Nudeln den Magen voll schlagen.

Um 12:30 Uhr liegt ein weiteres Highlight vor uns: Csabi und Ákos wollen uns den Ort Béta zeigen, der ungefähr drei Kilometer von Bögöz entfernt liegt. Sie gehen voran und sind unsere stolzen Fremdenführer. Jedes Mal, dass ein Auto kommt (wir gehen auf der Straße, da es keine Gehwege gibt), wird laut „Autoooo“ oder die ungarische Version „Kocsi“ geschrien. Wir erreichen das malerische Béta, gehen durch die Straßen, vorbei an Häusern, die alle von Wachhunden bewacht werden. Im einzigen Laden des Dorfes kaufen sich alle ein paar Süßigkeiten. Vorbei an der Kirche machen wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Bögöz. Wir treffen Bálint und Attila, die uns mit dem Fahrrad entgegen fahren. Csabi erschreckt hier und da die Gruppe, indem er aus dem Wald springt und so tut als wäre er ein Bär. Den hat Évi ja schließlich einen Tag vorher am Ortsausgang „getroffen“.

Während die Kids also „on the road“ sind, statten Miri und Sandy den Roma-Familien im Dorf einen Besuch ab. Mittlerweile ist es uns gelungen, im mittleren und kleinen Team einige motivierte und auch zum Teil sehr talentierte Romas zu integrieren. Das nämlich, ist einer der Grundgedanken von Basketball Leben. Kinder aus verschiedensten sozialen Schichten zusammen zubringen. Das diese Familien meistens nicht oder nur sporadisch bei Facebook sind, die Plattform über die wir mit den Familien kommunizieren, möchten wir sie persönlich über unsere weiteren Plänen informieren. Im ersten Jahr unseres Camps hatten wir die Roma-Familien bereits besucht. Damals wie heute freut man sich sehr über unseren Besuch und bittet uns hinein, in das winzige Zimmer, das einer Familie mit 4 Kindern gehört. Hier wohnt unser Basketballkind Ferenc. Seine Mutter sagt uns, dass er das Training liebt und unbedingt weitermachen möchte. Auf die Frage, ob er auch beim Wintertraining in Udvarhely dabei ist, kommt sofort ein klares „Ja!“. Udvarhely ist die nächste Kleinstadt, in der es einige wenigen Sporthallen oder Sporträume gibt. Wir mieten einen dieser Sporträume und organisieren einen Bus, der die Kinder von Oktober bis April dorthin bringt. Diese Kosten werden von den Spendengeldern an unseren Verein „Basketball Leben e.V.“ bezahlt.

Um ca. 14:30 Uhr sind treffen wir uns an diesem Tag alle wieder bei Irénke.

Zwei Stunden haben wir noch vor dem ersten Heimspiel des „mittlerenTeams“ gegen Csíkszereda. Während Coach Attila das Team vorbereitet, macht sich Sid für seinen nächsten Schiedsrichtereinsatz bereit. Miri und Sandy übernehmen den Part von Steffi, die am Nachmittag schon abreisen musste und machen Fotos mit Attilas Kamera. Dann geht es los. Die „Bögöz közepes“ gegen die Gegner aus der Stadt. Schnell wird klar, dass die größeren und körperlichen Gegnern unseren Kids keine Chance lassen würden. Nach drei Vierteln liegen wir mit über 30 Punkten zurück. Das Spiel plätschert vor sich hin und am Ende wird es doch ein eindeutiger Sieg. Beim zweiten Spiel dürfen dann die Großen gegen die selbe Mannschaft ran. Diesmal sind wir körperlich überlegen, und nach einem Viertel steht es 23:9. Mit 16 Leuten ist es für die Coaches Miri und Huba zwar schwer jedem gleichviel Spielzeit zu geben, doch alle machen das Beste aus der eingesetzten Spielzeit. Fast jeder trifft am Ende beim eindeutigen 40 Punkte Sieg.

Nach dem Spiel gibt es ein großes Abschiedsessen von Irénke für uns alle. Gemeinsam essen wir und genießen die untergehende Sonne über dem schönsten Freiplatz der Welt. Es war eine Woche voller toller Ereignisse, die sich in den Gedächtnissen unserer Hellenen eingebrannt hat. „Ich könnte hier wohnen“, meint Robel. „Ich vermisse mein Handy gar nicht“, diskutierten Maria und Amalia noch beim Spaziergang durch Béta. Was allen bleiben wird, sind die tiefen Freundschaften, die sie mit den Bögözer Kids geschlossen haben. Vor allem die die das erste Mal da waren, erzählen aufgeregt von den Highlights ihres Aufenthalts und wollen alle wiederkommen! „Spoiler alarm, ich bin nächstes Jahr wieder hier“, so Noah.

Auch für uns Coaches war es ein wunderschönes Erlebnis in Rumänien! Mit einem weinenden Auge werden wir morgen um 11 in den Bus steigen und zum Flughafen fahren. Dann bleibt uns genau ein Tag und der Münchner Alltag hat uns wieder.

Danke Bögöz, danke, danke, danke!

Chaos-Rallye im Garten von Irenke

Unser Aufenthalt hier in Rumänien neigt sich langsam dem Ende zu. Das merkt man auch beim morgendlichen Training. Einige der Kids schwächeln bereits beim Athletiktraining. Am Ende eines einwöchigen Basketballcamps ist das mehr als verständlich.

Dennoch bleiben sie konzentriert und auch bei den Übungen zeigen sie Teamfähigkeit und Ausdauer. Anschließend gibt es Mittagessen. Generell werden wir heute nicht die Pension verlassen, da wir ein spannendes Spiel mit all unseren Kindern geplant haben. Zuvor ist etwas mehr Freizeit eingeplant. Die Coaches nutzen sie, um eine Chaos-Rallye vorzubereiten. Dabei sollen die Kids nach Hinweisen auf Karteikarten suchen, sich Passwörter auf Deutsch und Ungarisch merken und verschiedene spannende Fragen und Aufgaben rund um das Thema Basketball lösen. Die Karten sind im gesamten Garten verteilt und die Teams schminken sich in fünf verschiedenen Farben um Ihre Teamzugehörigkeit zu demonstrieren. Dann geht es auch schon los. Mit Worten wie Szekler, Szia, Oachkatzlschwoaf und Hakuna Matata stürmen die Kids auf uns Coaches zu, um die Antworten zu geben und ihr Schicksal von der Jury, bestehend aus Miri, Sandy, Steffi und Sid zu erfahren. Es kristallisieren sich die Teams Blau und Gelb als klare Favoriten heraus, die bei 50 Feldern schon einen erheblichen Vorsprung vorweisen. Team weiß jedoch kämpft sich zurück und holt beinahe den Sieg, den am Ende aber Team Gelb feiern kann.

Im Anschluss gibt es wieder zwei Stunden Pause, bis das Abendtraining mit Fastbreak, Passen und Abschlussvariationen anfängt. Auch Cut’n Fill steht auf dem Programm. Das Abendessen ist dann wieder besonders. Aufgrund der erhöhten Lautstärke entschließt sich Sid den Kindern komplett das Reden zu verbieten, solange gegessen wird. Daraus entstehen witzige Situationen, in denen die Kinder gestikulierend versuchen sich zu verständigen. Wir Coaches interpretieren (absichtlich) alles falsch. Diese Pantomime wird bei der Abendbesprechung übernommen, was zu urkomischen Situation führt.

Morgen stehen ein paar Spiele auf dem Programm und wir machen eine kleine Wanderung… ach ja, die Evi hat heute beim Verlassen des Dorfes einen Bären gesehen. Aber auch das ist ein Teil des Abenteuers! Let’s go Bögöz!

Von Schienen, Hängebrücken und Pfeil und Bogen

Ein neuer Tag bricht an beim Basketball Leben Camp und es ist leider trüb und nass um acht Uhr morgens, als die Jungs und Mädels zum Frühstück kommen. Wie gestern schon, stehen um 9:00 Uhr Basics mit Miri und Athletiktraining mit Sid auf dem Programm. Heute werden Miri und Huba von David, Caspar, Robinson, Maria und Theresa beim Kindertraining unterstützt. Das Athletiktraining ist heute etwas intensiver. Neben dem Weg um unsere Pension wird die Kirche zweimal umrundet. Nach dem Training gibt es wieder ein Spiel, allerdings werden die Teams in Ältere und Jüngere aufgeteilt.

Etwas Freizeit genießen wir vor dem Mittagessen, danach will uns Csabi die Hängebrücke zeigen, nicht wissend, dass wir sie schon ein paar Tage zuvor überquert haben. Trotzdem hat man das Gefühl, dass mittlerweile weitere Bretter fehlen. Da gerade keine Bahn in Sicht ist, gehen wir entlang der Zugstrecke Richtung Ortseingang, balancieren auf den Schienen und unterhalten uns angeregt mit den Bögözer Kids. Danach nutzen die Coaches eine kleine Pause in Irenkes Pension, um etwas Schlaf nachzuholen. In der Zwischenzeit toben sich sich die Kinder auf dem Feld aus. Um 14 Uhr besucht uns Örs mit seinem Sohn und seiner Frau.

Örs ist der Leiter der Pfadfindergruppe in Bögöz. Man muss dazu sagen, dass neben dem Basketballplatz in Irenkes Hof, die Pfadfinderei die einzige Nachmittagsbeschäftigung ist, die die Kids im Ort haben. Örs ist sehr engagiert, kennt alle Kids aus der Nachbarschaft und hat sie vor Kurzem zum Pfadfindercamp eingeladen. Nun steht er hier, mit Flaggen und einem Cricketschläger. Er erklärt die Regeln des ersten Spiels. Dazu werden die Bögözer und die Münchner in zwei gemischte Teams aufgeteilt. Auch Sandy, Miri und Sid machen mit. Beim Spiel, dass eine Mischung aus Brennball, Cricket und Baseball ist, zeigen unsere Kids ihre sportlichen Fähigkeiten, auch wenn hier und da der Ball aus der Hand rutscht. Nach drei Spielen geht es weiter mit einem „Capture the Flag“ (Erobere die Fahne). Unter den Körben des Basketballfelds werden die Flaggen gestellt, und jedes Team muss jeweils versuchen die Flagge auf der anderen Seite des Feldes zu holen ohne dabei gefangen zu werden. Das daraus resultierende Chaos ist zwar vorprogrammiert, aber es macht allen Kindern Spaß, sich unter der langsam auftauchenden Nachmittagssonne zu bewegen. Eine letzte Besonderheit hat Örs für unsere Münchener Kids noch im Gepäck. Ein professionelles Set mit Pfeilen und Bogen. Unsere Begeisterung ist beinahe greifbar, als wir nacheinander versuchen, die 15 Meter weiter ausgelegte pinkfarbene Zielscheibe zu treffen. Das gelingt nur den Wenigsten. Monty beispielsweise trifft mit dem ersten Pfeil ins Schwarze, landet aber keinen weiteren Treffer in Umkreis von 3 Metern um die Scheibe. Noah schafft es den Pfeil über den Holzbalken zu schießen und Sandy wollte mit ihrer Weite wohl einen neuen Weltrekord aufstellen.

Nichtsdestotrotz finden wir alle nach diesem anstrengenden Nachmittag nochmal Kraft um um 18:30 am Abendtraining teilzunehmen, wo wieder Dribbeln, Fastbreak und Cut and Fill auf dem Programm stehen. Einige der Grundlagen des Vortages sind noch hängengeblieben und die Coaches sind zufrieden mit der Entwicklung unserer Schützlinge. Unmittelbar danach hat uns Irenke erneut etwas Köstliches gezaubert. Etwa eine Stunde später findet die Abendbesprechung in der Scheune statt. Das Schlusswort von Mariam fasst die Meinung aller Hellenen gut zusammen: „Ich fand den heutigen Tag cool. Gute Nacht!“

Das fanden wir alle! Morgen sind 23° und Sonne angesagt.

Bei diesen sommerlichen Temperaturen lässt sich bestimmt einiges machen. Wait and see!

Flüsterpost und Achterbahnfahrt

Heute ist nun endlich wieder Training angesagt. Um kurz vor acht klingelt der Wecker für die Coaches und für die Münchner Kids heißt das, es ist Zeit zum frühstücken. Der heutige Tag verspricht spannend zu werden. Am Anfang steht für die kleinen und mittleren Bögözer- und Hellenenteams 90 Minuten Basicstraining auf dem Programm.

Dank Flüsterpost und einem Facebookpost stehen die kleinen, mittleren und großen Bögözer Kids pünktlich um 9 Uhr auf dem Basketballfeld. Einige der Münchener Spieler hatten sich bei der Besprechung am Vortag freiwillig als Coaches gemeldet, und dürfen heute zusammen mit Miri den Kleinsten Korbleger, Dribbelstart und Defense beibringen. Die Großen werden von Sid beim Athletik-, Koordination- und Krafttraining gefordert. Dazu gehören eine Runde Lauftraining durch Bögöz, Partnerpushups und Geschicklichkeitstests.

Anschließend genießen wir ein bisschen die freie Zeit, bevor wir nach einem ausgiebigen Mittagessen von zwei Pferdekutschen abgeholt werden. Wir fahren durch Morast und über Hügel und Täler auf dem Weg zur Farm, auf der wir letztes Jahr schon übernachtet hatten. Leider war Renis Familie nicht da, als wir ankamen. Vorbei an Kühen und Hausschweinen, Schafen und Wachhunden halten wir auf eine große Wiese. Wir haben nicht viel dabei, ausser einer Frisbee und jeder Menge Grashüpfer. Kaum angekommen zeigen die Bögözer den Münchnern, wie man sie fängt und es bricht ein Wettbewerb aus, wer den Größten gefangen hat. Nach kurzer Zeit finden sei ein besonders schönes und grünes Exemplar. Es wird „Big Daddy“ getauft. Beim Frisbee spielen oder beim Erkunden des naheliegenden Waldes kommen sich die Bögözer und Münchner Kids näher, sogar die, die das erste Mal dabei sind überwinden langsam die Sprachbarriere. „Es kommt mir vor, als würde ich sie schon sehr lange kennen“, sagt Maria später bei der Abendbesprechung. Nach knapp zwei Stunden machen wir uns auf den Rückweg. Unsere beiden Kutscher entscheiden sich dabei für eine andere Strecke. Wir wollen durch den Wald Richtung Hügel fahren, wo wir einen atemberaubenden Blick auf unseren Ort und die Umgebung genießen können. Mit der Kutsche diese Höhen zu erreichen ist dann doch kniffliger als gedacht. Es gibt viele enge Passagen im Wald, das Terrain ist uneben und man muss sich doch etwas fester halten, um nicht von der Kutsche zu fallen.

Für unsere sportliche Gruppe ist diese Achterbahnfahrt allerdings kein Problem. Alle genießen es, singen sogar Lieder oder beschäftigen sich mit dem ein oder anderen Quiz. Unser perfektes Timing, dass wir bis zu diesem Zeitpunkt in Rumänien bewiesen haben, bekommt einen kleinen Schönheitsfehler. Noch vor Rückkehr bei Irenke fängt es an zu regnen. Die kurze Erfrischung tut den Pferden gut, unsere Kinder freuen sich nun aber auf „Zuhause“.

Eine Stunde Pause haben wir noch. Danach geht es gleich weiter mit er zweiten Trainingssession des Tages. Etwas vorgezogen um 18:15 Uhr fangen wir mit 25 Kindern an. Auf Warmup mit Laufschule, Athletiktraining und Plyometrics folgen Pass- und Fastbreakübungen. Erweiterte Basics sollen geschult oder verbessert werden. Beim anschließenden 3-gegen-2 sieht die Ausführung durchaus ansprechend aus. Das Training wird mit einer „Reise um die Welt“ abgerundet und wir zeigen unseren Bögözer Freunden unsere „Cut-and-Fill“ Offense.

Nach dem Training gibt es Grießbrei zum Abendessen, bevor wir unsere abendliche Gruppendiskussion in der Scheune fortführen. Alle sind sich einig, dass der Tag ein Erfolg war. „Das Training war cool, aber es ist schon nervig, wenn man ein paar der Sachen öfter sagen muss“, fand Silver, der an diesem Tag einer der Spielercoaches war. Tja, ein Coach zu sein is definitiv nicht einfach.

Trotz allem werden die Coaches morgen wieder zwei Einheiten am Morgen und am Abend haben. Dazwischen stehen viel Spiel und Spaß und einige Abenteuer auf dem Programm. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Tief unter der Erde

Auch heute sind wieder Regen und Gewitter angesagt und unser ursprünglicher Plan, mit den Bögözern und Münchner Kindern zusammen ins Freibad zu gehen, muss wieder geändert werden.

Vor dem Frühstück um 9:00 Uhr gibt es für die Jungs und Mädels noch ein kleines Aufwärm(straf)programm mit Sid. Gleich darauf jedoch wartet ein leckeres Frühstück mit Wurst, gebackenem Käse und anderen Köstlichkeiten von Irenke auf uns. Um 10 Uhr steht ein Bus vor der Szekelykapu Pension. Wir haben noch 30 Minuten, um uns fertig zu machen, dann soll es nach Parajd gehen. Die Mutter von Bence, ein Spieler unseres Bögözer Basketballteams, hat sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt, um uns spontan einen Bus zu organisieren. Das hat perfekt geklappt und so brechen wir pünktlich auf in Richtung Parajd.

Nach 45 Minuten Busfahrt erreichen wir unser Ziel: das große Salzbergwerk. Hier heißt es nun umsteigen in den Bus, der uns in die 480 Meter tief gelegene Grube fährt. Die letzten 200 Meter allerdings, laufen wir über die Treppen in die Höhle.
Vor zwei Jahren waren einige unserer Münchener Kids schon vor Ort. Die Jungs und Mädels, die es heute erleben, sind sofort beeindruckt. Tief unter der Erdoberfläche gibt es einen Spielplatz und einen Kletterpark. Hochseilparcours und Indoorspielplätze kennen unsere Münchner Kinder bereits von daheim. Diese unwirkliche Atmosphäre weit unten in der Höhle von Parajd macht es aber dennoch zu einem besonderen Erlebnis. Schnell entscheiden sich alle Kids für den Spielplatz und gegen den Kletterpark. Eine Stunde haben die Kinder auf Hüpfburgen, Luftrutschen und Kletterwänden. Danach geht es weiter mit der Besichtigungstour. Die Kirche inmitten der Salzmine ist eine Besonderheit und für alle, die noch nicht hier waren, erscheint sie unerwartet mitten im Bergwerk. Sie wird gründlich erkundet und dann machen wir uns auch schon wieder auf den Weg nach oben. Die 200 Meter langen Treppen die wir vorher hinabgestiegen sind, müssen nun auch wieder hinaufgeklettert werden. Auch für unsere sportlichen Kids ist das eine Herausforderung.

Oben angekommen stellen wir fest, dass der angesagte Regen bisher noch nicht eingetroffen ist. So machen wir uns auf den Weg ins örtliche Schwimmbad. Dort mussten wir feststellen, dass es sich um ein reines Freibad handelt, das uns bei diesen unbeständigen Wetter ungeeignet scheint. Man sagt uns, dass sich einen Kilometer weiter das Wellnesscenter befindet und nach knapp 15 Minuten Fußmarsch kommen wir dort auch an. Uns erwarten Whirlpools, Sauna, Dampfbad sowie ein braunes Salzwasserbad. Vor allem letzteres findet Anklang, auch wenn es gewöhnungsbedürftig scheint. Schließlich kann man sich hier, ähnlich wie im Toten Meer, auf das Wasser legen ohne unterzugehen. Aber auch die Rutsche ist cool und so vergnügen wir uns drei Stunden lang im Schwimmbad. Letztendlich entdecken wir das Heißwasserbad. Wir versuchen langsam darin einzutauchen, was schlussendlich einigen der mutigen Kids gelingt. Erschöpft, aber glücklich verlassen wir das Schwimmbad. Mit Langos und Sandwiches überbrücken wir den kleinen Hunger, bis uns der Bus wieder abholt.

Nach einem aufregenden Tag schlafen einige unserer Kids im Bus ein. Weiter hinten im Bus reden und singen die Münchner Kinder, bis wir wieder unser vertrautes Bögöz erreichen und uns zum gemeinsamen Abendessen mit Fleischpflanzerl und Gemüsereis treffen. Auch bei der abendlichen Gesprächsrunde spiegelt sich die Begeisterung des Tages bei den Kids wider.

Und so endet ein weiterer Tag in unserem beschaulichen Basketballcamp. Morgen soll es das Wetter nun endlich gut mit uns meinen, sodass wir hoffentlich mit unserem geplanten Basketball-Programm beginnen können.

Jó éjszakát!

Plan B

Rumänien 2017 oder auch Rumänien 4.0 oder besser gesagt, auf geht’s nach Transsilvanien! Mit 14 Kindern im Gepäck, machen sich Sid und Steffi auf den Weg von München nach Cluj. Ungarisch heißt Cluj Kolozsvár und ist die zweitgrößte Stadt in Rumänien. Hier landet der Flieger am 2.9. am frühen Nachmittag. Ebenfalls am 2.9. findet das Länderspiel Spanien gegen Tschechien während der EuroBasket 2017 in Cluj statt. Es bietet sich also an, nach Ankunft die Basketball Arena zu besuchen. Für die Münchner Kids ist solch ein Ereignis mit 10 NBA Spielern auf dem Feld alles andere als alltäglich, für einige Kinder aus Bögöz ist allein die Busfahrt nach Cluj ein absolutes Highlight, da sie zum ersten Mal ihr Dorf verlassen konnten.

Das große Zusammentreffen findet im zentralen Park nahe der Arena statt. Die altbekannte anfängliche Scheu legt sich spätestens bei Eintreffen an der Basketballarena beim Fotoshooting mit überdimensionalen Basketball und Maskottchen. Nachdem jeder seinen Sitzplatz gefunden hat, ging es auch schon los. Gefesselt von der Atmosphäre, bei dem der Vize-Europameister Spanien eine spektakuläre Show abliefert, wurden Popcorn und Nüsse unter den Kinder freundschaftlich geteilt. Besonders bei den Bögözer Kids, die Basketball bisher nur vom Spielen auf dem Freiplatz bei Irenke kennen, hat sich dieses Ereignis eingebrannt. „Daheim“ angekommen in Bögöz, mitten in der Nacht, fallen alle erschöpft ins Bett.

Am nächsten Morgen musste das geplante gemeinsame Training ausfallen, da der Regen unseren Basketballplatz unbespielbar macht. Auch dieses Jahr haben wir viel Glück und so organisiert uns unser Busfahrer vom vorherigen Tag eine Sporthalle in Udvarhely, die uns zum perfekten Plan B verhilft. Spontanität war nun sowohl vom gegnerischen Team, als auch von den Eltern unseres Teams aus Bögöz gefragt. Der in Bögöz auf dem Freiplatz geplante Spieltag wird kurzerhand in die Móra Ferenc Schule nach Udvarhely verlegt. Da kurzzeitig die Sonne herauskommt und uns mit 25 Grad verwöhnt, eilen wir vorher noch für 2 Stunden ins Freibad von Udvarhely. Dort hat man nicht wirklich vor, das Bad bei dem eher unbeständigem Wetter zu öffnen. 20 badehungrige Kinder vor den Toren des „Varosi Strandes“ veranlassen den Betreiber des Freibades allerdings, uns die Tore zu öffnen. Als einzige Besucher am heutigen Tag, können wir das Freibad komplett für uns alleine in Anspruch nehmen. Diese Situation empfinden die Münchner Kinder als absolutes Highlight des heutigen Tages, da man zuhause eher selten auf ein menschenleeres Freibad trifft.

Ausgepowert vom Frisbee spielen im Freibad, das stark an die 50er Jahre erinnert, ging es nun auf Richtung Móra Ferenc Gymnasium, dessen Hausmeister uns kurzerhand seine Halle für 3 Stunden zur Verfügung stellt. Direkt bei Ankunft am Gymnasium bricht ein Unwetter mit Regen und starkem Gewitter über uns ein. Kurzzeitig war auch die Sporthalle dunkel, da das Licht aufgrund von Störungen ausfällt. Die zwei Mannschaften aus Kézdivásárhely warten dort bereits auf uns. Nach kurzer Vorstellung und Warm-up funktionierte die Stromversorgung wieder und so kann das erste Spiel angepfiffen werden. Ein Team aus Mädchen vom BC Hellenen und dem Bögözi Udvar stellt sich der U14 aus Kézdi. Nach anfänglich ausgeglichenem Spiel mit wenigen Korbchancen auf beiden Seiten, setz sich Kézdi deutlich ab und dominiert die Partie bis zum Ende.
Nun sind die Jungs an der Reihe. Das Spiel hält, was es verspricht. Keines der Teams setzt sich bis 2 Minuten vor Schluss mit mehr als 6 Punkten ab. Es steht 24:30 nach drei Vierteln. Ein letzter Run der angereisten Gäste lässt die das Match nochmal knapp werden. 4 Sekunden vor Schluss steht das Spiel auf der Kippe: 38:37 für das gemischte Team aus Hellenen und Bögözer Spielern. Kézdi hat die letzte Chance zum Sieg. Mit 2 Sekunden Restzeit werfen sie den Ball zu ihrem besten Spieler ein. Der setzt zum Sprungwurf aus 5 Metern an, der sein Ziel deutlich verfehlte. Game over! Sieg für die ekstatische Spielgemeinschaft Hellenen/Bögözi Udvar!

Nach diesem spannenden Spiel verabschiedet sich die siegreiche Mannschaft mit einem Turnierfoto von seine Gästen. Die Eltern der Bögözer sorgen außerdem für ein ausgiebiges Buffet, das nach Spielende verköstigt wird. Teamwork beweist man auch nach dem Spiel, als Eltern aus Bögöz die Münchner Kinder zurück zu Irenke in die Pension fahren. Erschöpft, aber glücklich endet der erste Tag in Bögöz!

Markttag

20 Umzugskartons voller Kleider, Jacken, Hemden und Schuhen: Am Samstag haben wir in Bögöz einen Flohmarkt veranstaltet. Unterstützt haben uns die Mallersdorfer Schwestern, denen wir schon im vergangenen Jahr einen Besuch abgestattet haben. Sie haben in Bayern Kleidung gesammelt und den Transport organisiert. Herzlichen Dank dafür!

Im Vorfeld des Flohmarktes war uns schon etwas mulmig zumute. Was, wenn niemand kommen würde. Oder wenn das genaue Gegenteil eintreten würde und uns die Bögözer die Bude einrennen würden? Was, wenn wir den Überblick über die Einnahmen verlieren würden? Was, wenn der Verkauf an Sprachbarrieren scheitert?

Dass zumindest unsere erste Sorge unbegründet war, zeigte sich schon am frühen morgen. Schon um viertel nach neun, eine Dreiviertelstunde vor dem offiziellen Beginn, standen Leute vor dem beeindruckenden Szeklertor von Irenkes Pension. Sie mussten warten, schließlich musste zuerst noch alles aufgebaut werden. Tische und Bänke wurden verschoben, Kleider sortiert, Preisschilder aufgestellt, Geldbeutel verteilt. Das Sortieren hätten wir uns sparen können – um zehn nach zehn, kurz nach Beginn des Flohmarkts, sah es aus, als wäre eine riesige Kleiderbombe explodiert. Begeistert wühlten sich die Bögözer von Stapel zu Stapel – dazu hat vielleicht auch beigetragen, dass wir die Preise bewusst niedrig gehalten haben. 4 RON für Hosen, 8 RON für Winterjacken sind selbst für rumänische Second-Hand-Verhältnisse fast lächerlich. Aber es ging uns ja auch nicht um den Profit. Wir wollten Einnahmen sammeln für unser Projekt – und auf das Team und das Feld aufmerksam machen.

Noah, Silver und Niven haben dabei ihr Talent fürs Verkaufen entdeckt und den ganzen Tag fleißig kassiert. Während andere Kinder Basketball oder im Garten gespielt haben, liefen die drei unermüdlich von Kunde zu Kunde, um Geld einzusammeln und Wechselgeld herauszugeben. Trotz der niedrigen Preise war der Flohmarkt ein voller Erfolg: Gegen 15 Uhr hatten wir bereits 2.200 RON zusammen. 500 Euro!

Ein Teil des Geldes ging an die Schule in Székelyudvarhely, in deren Halle die Bögözer Kids im vergangenen Winter trainiert haben. 50 Euro haben wir Schwester Michaela zukommen lassen, die den Transport der Kisten nach Rumänien organisiert hat. Mit dem Rest können wir die Trainer bis Ende Oktober bezahlen, wenn sie zwei Mal in der Woche trainieren – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Kanu und Kino

Als den Stausee vor zwei Jahren besucht haben, hat es in Strömen geregnet. Dieses Mal hatten wir etwas mehr Glück mit dem Wetter. Und haben gelernt, dass es auch ohne eine gemeinsame Sprachbasis möglich ist, ein Kanu zu steuern. Obwohl… das ein oder andere Münchner Kind hat sich auch der ungarischen „Links-zwo-drei-vier“-Variante versucht, um den Paddeltakt vorzugeben: egy, kettö, három, negy…, egy, kettö, három, negy…

Kanufahren in Rumänien
So sah es vor zwei Jahren aus. Nass sind wir geworden. Und Schuld daran war nicht der See.

Abends stand dann Kultur auf dem Programm: Ein Kurzfilm sollte den Kindern eine der Szeklerlegenden näherbringen. In der Geschichte geht es um böse Feen, gewitzte Hähne und einen mutigen Flötenspieler. Geschaut wurde mit einem Beamer – dessen Bild wir kurzerhand auf die Scheunenwand projiziert haben. Geisterhaft und wunderschön!

Gewinner

Dreizehn Monate sind vergangen, seit wir das letzte Bögözer Basketballcamp mit einem großartigen Turnier abgeschlossen haben. Dreizehn Monate, in denen sich die Münchner Kids jede Woche in der Halle getroffen und an den Wochenenden Spiele bestritten haben. Was ist in der Zeit in Rumänien passiert?

Auch die Szekler haben trainiert. Sie haben Wind und Wetter getrotzt, haben sich noch bei Temperaturen im einstelligen Bereich auf dem Platz getroffen um zu dribbeln, zu passen und zu werfen. Im Winter sind sie einmal in der Woche nach Székelyudvarhely gefahren, um dort in einer kleinen Halle zu trainieren. „Da war es aber stickig“, sagt Réka. Man sieht ihr an, dass sie nicht viel von der Halle hält. Der Platz in Bögöz würde ihr besser gefallen. Und auch wenn immer noch nicht jeder Wurf sitzt, viele Pässe eher Bogenlampen als Geraden gleichen und das Dribbeln mit der linken Hand noch immer nicht allen ganz leicht fällt: Sie haben riesengroße Fortschritte gemacht.

Das ist auch den Münchner Kindern aufgefallen. „Letztes Jahr sind sie einfach losgerannt, wenn sie den Ball bekommen haben, völlig kopflos“, erzählt Silver. „Jetzt überlegen sie erst mal, was sie machen wollen.“ Auch Yanick ist voller Lob. „Die haben sich total verbessert“, sagt er, als wir uns am Dienstagabend treffen, um über den Tag zu sprechen.

Und die Bögözer Kids, was sagen sie zum Training? Bálint ist begeistert, gibt aber zu, dass er sich in der Defense noch deutlich verbessern muss. Stolz ist er auf seine Drei-Punkte-Würfe. Wie zum Beweis versenkt er nur kurze Zeit später einen Ball von der Dreierlinie aus im Korb. Réka findet, dass sie eigentlich schon alles ganz gut kann. Das ist zwar leicht übertrieben, schlecht schlägt sich die Zwölfjährige aber nicht auf dem Spielfeld. Und Reni? Ganz gut gefällt es ihr, sagt sie lächelnd. Das wiederum ist vielleicht leicht untertrieben. Reni hat bislang noch kaum ein Training verpasst – und holt seit ein paar Wochen jede Woche ihre Cousine Adele vor dem Training ab, weil die auch gerne mitspielen wollte. Adele wohnt im nächsten Dorf, vierzig Fußminuten von Bögöz entfernt. Und weil sie sich vor den Wachhunden fürchtet, die sie auf dem Weg durch die Felder nach Bögöz passieren muss, holt Reni sie eben ab. Und bringt sie wieder zurück, wenn sich niemand findet, der Adele abholt. Vierzig Minuten hin, vierzig Minuten zurück. Einmal in der Woche. Darauf angesprochen, lächelt sie nur schüchtern und hebt abwehrend die Hände. Man hilft sich eben, hier in Bögöz.

Das Turnier

Am Donnerstag haben die Bögözer Kinder die Gelegenheit, sich zu beweisen – gemeinsam mit den Münchnern. Drei Mannschaften sind angereist, aus Székelyudvarhely, Kézdivásárhely und Czíkszereda, um beim zweiten Bögözer Turnier gegen zwei gemischte Bögözer Teams anzutreten. Das Wetter meint es gut mit uns und schickt einige Wolken, sodass die ersten Spiele nicht in der prallen Sonne stattfinden müssen. Die Bänke und Strohballen am Spielfeldrand sind gut gefüllt, sogar der stellvertretende Bürgermeister von Bögöz und eine Journalistin sind da.

Der Favorit des Turniers kristallisiert sich schnell heraus: Das Team aus Székelyudvarhely ist nicht nur deutlich erfahrener als der Rest, sondern überragt die restlichen Spieler auch um Längen. Ärgerlich, aber geschenkt. Dafür ist es umso schöner, dass alle anderen Teams auf einem ähnlichen Niveau spielen und sich spannende Wettkämpfe liefern. Die Mannschaft aus Kézdivásárhely bedankt sich hundertfach für die Einladung und beteuert, wie sehr sich die Bögözer Kids verbessert hätten. Sie wollen unbedingt im nächsten Jahr wieder anreisen, zum dritten Bögözer Basketballturnier. Am meisten aber freut uns, wie sich unsere Bögözer Mannschaften schlagen. Szekler und Münchner spielen, als würden sie auch sonst gemeinsam trainieren. Dass sie dabei den zweiten und den dritten Platz belegen: umso schöner. Fühlen dürfen sie sich wie Gewinner.

 

Busfahren

Und dann ist tatsächlich mal wieder alles anders gekommen, fast so, als hätten wir es vorhergesehen: Unser Busfahrer hat uns versetzt, keine Spur von ihm weit und breit. Vor einer halben Stunde hätten wir Irenkes Hof hätten verlassen sollen, um nach Szentábrahám zu fahren. Wir wollen Sandys Freundin Emese besuchen, die dort Kräuter und Heilpflanzen anbaut. Im Moment sieht es aber nicht so aus, als könnten wir den Hof in nächster Zeit verlassen.

Was tun? In der Pension schauten uns fragende Kinderaugen an – schließlich haben sie schon einiges geschafft heute, haben in der Frühe zwei Mal die Kirche umrundet, drei Stunden auf dem Freiplatz gespielt und ein schnelles Mittagessen verputzt. Jetzt wollen sie los. Obwohl, so richtig stört es sie auch nicht, dass sie noch ein bisschen länger auf dem Trampolin herumturnen können. Vom Bus ist auf jeden Fall immer noch nichts zu sehen, kein Wunder, am Telefon erklärt ein zerknirschter Busfahrer gerade, dass er uns einfach vergessen hat, und jetzt auch leider keinen anderen Bus schicken kann. Und nun? Den Besuch abblasen wollen wir nicht. Taxis für alle – heute fahren deutsche und Szeklerkinder zusammen – würden aber unser Budget sprengen. Und außerdem zeigt sich auch die Taxistation wenig kooperativ: Taxis schicken könne man erst später, im Moment seien alle unterwegs. Weil wir auch nicht so richtig weiterwissen, kaufen wir erst einmal Eis für alle.

In Rumänien kann man sich darauf verlassen, dass auf nichts Verlass ist. Aber auch auf den endlosen Einfallsreichtum und den ungebrochenen Willen, aus jeder Situation das Beste zu machen. Gesagt, getan. Ein paar Dutzend Anrufe später trommelt ein Nachbar seine Mitarbeiter zusammen, lässt sie ihre Autos anschmeißen und uns nach Szentábrahám fahren. Er selbst fährt auch, in seinem eigenen Auto. Aus den fragenden werden große Kinderaugen, es handelt sich dabei nämlich um einen Hummer.

Eine halbe Stunde später stehen wir inmitten eines wilden Kräutergartens und erleben ein vollkommenes Kontrastprogramm zum vormittäglichen Basketball. Wir lernen, wie viele Sorten Minze es gibt, welche Kräuter Krankheiten heilen und wie die Rose von Damaskus riecht. Wir schauen einer dressierten Katze beim Sitzmachen zu, streicheln zottelige Hunde, sortieren Kräuter und packen Tee ab. Und dann geht es auch schon wieder zurück, zum Training.

Dort wartet heute nämlich eine Überraschung auf die Szeklerkinder: zwei neue Trainer, die sich bereiterklärt haben, das Training für das nächste Jahr zu übernehmen. Attila und Szabi haben in Székelyudvarhely vom BC Bögözi Udvar gehört und ihre Hilfe angeboten. Die einzige Bedingung: Sie wollen das Training zusammen übernehmen. Die beiden verstehen sich blind, das sieht man nicht nur ihrem wilden, aber ziemlich genauen Passspiel an. Ihre Ziele für das nächste Jahr: viel trainieren, viel spielen, Übungstourniere veranstalten und zu Auswärtsspielen fahren. Sie haben einiges vor sich, so viel ist sicher. Und wir sind uns sicher, dass sie das Beste aus der Situation machen werden. Nicht nur, weil man das eben so macht in Rumänien. Sondern auch, weil sie ein verdammt motiviertes Team haben werden.