Szeklerland, Herz von Europa

Dem heutigen Beitrag geht eine Beichte voran: Wir haben geschummelt. Ausgiebig, und immer wieder. Nicht mutwillig, aber der Einfachheit halber. Aber damit ist jetzt Schluss. Deshalb geht es hier nicht um das, was wir heute erlebt haben, sondern um die Menschen, die in Bögöz leben: die Szekler.

Szeklerkinder, ungarische Kinder, rumänische Kinder

Bislang haben wir meist Letzteres verwendet, wenn wir über die Kinder des Dorfes geschrieben oder gesprochen haben. Das ist nicht falsch, denn jeder hier hat einen rumänischen und einen ungarischen Pass – bis auf die Roma, die oft gar keinen haben. Zugehörig fühlen sich die Menschen hier aber eher den Ungarn. Sie sind Szekler-Ungarn, szekely-magyarok (sprich: szekeij-modjorok), die in Siebenbürgen leben, das sie erdély (sprich: ärdeij, mit gerolltem r) nennen. Erdély liegt im südlichen Karpatenraum des Landes und wird von drei ethnischen Gruppen bewohnt: Rumänen, Szeklern und den Siebenbürger Sachsen. Siebenbürgen ist in mehrere Regionen unterteilt; die Szekler leben in Harghita, dort, wo auch das Basketballcamp stattfindet.

Dokumenten zufolge siedelten die Szekler bereits im neunten Jahrhundert in der Region, die sie zum Herz von Europa, wenn nicht gar zum Herz der Welt erkoren – geschützt von den Karpaten, reich an fruchtbaren Böden, Bodenschätzen und Süßwasserreserven. Eingewandert waren sie aus dem fernen Osten, dort, wo man eben auch die Wurzeln der Ungarn vermutet, im Gebiet der heutigen Mongolei. Die Geschichtsschreibung der Szekler besagt, dass sie das Land lange vor den Rumänen bewohnten – wie so oft existieren jedoch auch hier alternative Antworten auf die Frage, wer denn nun zuerst da war.

Okay, dann sind Szekler also Ungarn?

Nicht ganz. Glaubt man Gabor, dem Vater von Evi – einem Szekler-Magyaren – der uns dankenswerterweise eine kleine Nachhilfestunde in Geschichte gegeben und traurige aber auch weise Anekdoten aus der Zeit des Kommunismus erzählt hat, sehen sich Szekler und Ungarn eher als Brüder. Nach der ungarischen Staatsgründung im Jahr 1000 n. Chr. wurde Erdély von Ungarn anerkannt und unterstützt – wahrscheinlich vor allem darum, weil es als Puffer gegen die nach Norden drängenden Türken wirkte und gleichzeitig die vom Nord-Westen eindringenden deutschen Stämme abhielt. Auch heute stehen noch viele Trutzburgen in der Region – nicht umsonst wird Erdély auch liebevoll-spöttisch als „Ritter am Rand“ bezeichnet.

Im Zuge der politischen Umwälzungen in Europa sah sich auch Erdély wegen seiner strategischen Lage immer wieder politischen Übergriffen ausgesetzt – vielleicht ein Grund dafür, dass die Region fortan besonderen Wert auf Autonomie legte und bereit war, finanzielle Tribute zu zollen, um diese zu wahren. Unabhängigkeit kann teuer sein.

Wie ist denn jetzt die Verbindung zu Ungarn?

Leider eine Frage, die sich nur mit einem historischen Rundumschlag beantworten lässt. Im 10. Jahrhundert schloss sich die Region dem Königreich Ungarn an, dass sich damals von Dalmatien über die Slowakei bis zur Karpatenukraine erstreckte. Innerhalb des großungarischen Reiches erfreute sich die Region relativer Autonomie und politischer Macht. 1914, in den Wirrungen des Ersten Weltkriegs, kämpfte die Region an Seite Österreich-Ungarns. Der Ausgang des ersten großen Schlacht des 20. Jahrhunderts ist bekannt, Ungarn wurde auf ein Drittel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft. Dutzende Gebiete mussten abgegeben werden, unter anderem Erdély – Siebenbürgen. Seitdem gehört das Gebiet zu Rumänien. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Region geteilt. Die Siebenbürger Sachsen wurden in die Politik der Nationalsozialisten eingebunden, die Szekler Ungarn zugeschlagen. Auch hier ist der Ausgang bekannt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Erdély wieder rumänisch. Die zuvor dominanten deutschen und ungarischen Gruppen wurden zunehmend marginalisiert. Während es zwischen Rumänen und Szeklern über die Jahre hinweg die ein oder andere Reiberei gab, wurden die großen Probleme jedoch später durch die Regierung verursacht, wenn man Evis Vater glauben schenkt. Über die wollen wir jedoch an anderer Stelle schreiben, sonst wird der historische Exkurs doch zu ausschweifend.

Also, noch mal in Kurzform

Die Menschen, die in Bögöz leben, sind Szekler. Sie haben einen rumänischen Pass, sehen sich als Brüder und Schwestern Ungarns, legen jedoch großen Wert auf kulturelle, geistige und politische Autonomie. Bögöz ist der ungarische Name des Dorfes, der rumänische lautet Mugeni. Wir verwenden Bögöz, wenn wir über das Dorf schreiben, weil es der Name ist, den die Einheimischen benutzen, wenn sie von ihrer Heimat sprechen. Bei der Bezeichnung der Bürger waren wir bislang nicht ganz so konsequent, haben meist sogar von rumänischen gesprochen – eine Tatsache, die die Leser aus Bögöz hinnehmen, aber vereinzelt immer wieder kommentieren. Also werden wir fortan nur noch von ‚Szeklerkindern‘ sprechen – und manchmal, aus nicht ganz uneigennützigen stilistischen Gründen, ‚ungarische Kinder‘ verwenden. Ist abgesprochen, versprochen.

Tag 3 – hoch hinaus und tief hinab

Heute hatten wir allen Grund zum Feiern, schließlich durften wir heute ein Geburtstagskind beglückwünschen: Monty, jetzt ganze zehn Jahre alt. Seinen Geburtstag schon so früh in der Fremde zu feiern ist wirklich mutig, aber dass so viele Freunde dabei waren und am Frühstückstisch gesungen haben, hat sicher geholfen. Zur Feier des Tages (und weil einigen Kindern die Sonne gestern etwas auf den Magen geschlagen ist – aber keine Sorge, liebe Eltern, es geht allen wieder besser!) ist sogar der morgendliche Lauf ausgefallen. Stattdessen gab es schon beim Frühstück für alle Süßes, gerade genug, um den Blutzucker für das anstehende Training hochzujagen.

Dort haben Coaches und Kids heute die Rollen getauscht. Unsere deutschen Camper haben an vier Stationen die einheimischen Kinder gecoacht: Ballhandling, Korbleger, Passen und Werfen. Das hat trotz der Sprachbarriere erstaunlich gut geklappt. Auch die Erwachsenen haben sich nicht zurückgelehnt, sondern mit Norbi, der in Zukunft das Basketball-Team der Bögözer trainieren wird, einen Schlachtplan für die kommende Saison ausgearbeitet. Norbi macht seine Sache wirklich gut – kein Wunder, dass die Szeklerkinder so schnell Fortschritte machen. Das wurde übrigens auch anerkennend von unseren deutschen Kindern bemerkt. Die haben es heute morgen etwas langsamer angehen lassen. Während die ungarischen Kinder im Spiel lernten, die Schritt- und Spielregeln zu vertiefen, haben die Deutschen Kraft- und Entspannungsübungen gemacht. Namaste!

Nachmittags stand ein weiterer spannender Besuch auf dem Programm: die Salzmine. Zum ersten Mal fuhren alle Kinder – deutsche und Szekler – gemeinsam in die Salzmine von Parajd. Während man den Enthusiasmus unserer Kids vor dem Ausflug noch etwas ankurbeln musste, standen die einheimischen Kinder schon fünfzehn Minuten vor Abfahrt mit Sack und Pack im Hof – anders als der Busfahrer, der auf sich warten ließ. Aber dann hieß es Abfahrt und ab nach Parajd, wo es, wieder mit dem Bus, hinunter in die Salzmine ging. Dort gab es für die Kids zwei Möglichkeiten: Indoor-Spielpark oder Klettergarten. Ja, das gibt es alles in einer alten, ausgebauten Salzmine – übrigens auch eine Kirche, Tischtennisplatten und Kaffee für die Erwachsenen. Drei unser deutschen Kids konnten sich für den Klettergarten begeistern, Quirin und Xenia waren sogar schon groß genug um – wirklich meisterhaft – die schwerste Stufe zu bewältigen.

Ein Erlebnis war für unsere deutschen und ungarischen Kinder übrigens nicht nur das Toben in der Salzmine, sondern die gemeinsame Busfahrt. Dort wurde trotz Hitze getratscht, Essen geteilt, und sicherlich die ein oder andere Freundschaften vertieft. Jetzt sind wir wieder zurück in Bögöz und nach dem Basketball-Training beenden wir den Tag, wie wir ihn begonnen haben: Mit einer Geburtstags-Party. Denn nicht nur ist Monti heute zehn geworden, auch Noah hatte letzte Woche Geburtstag. Boldog születésnapot Monti und Noah!

P.S.: Eine kleine Anekdote zum Schluss: Wie Kinder eben so sind, wollen sie manchmal auch das ein oder andere Schimpfwort auf Ungarisch lernen. Dafür wird natürlich am liebsten Botond zur Hilfe gezogen – der ja fließend ungarisch und deutsch spricht. Botond hat sich einen ziemlich guten Trick überlegt: Anstatt den Kindern das Schimpfwort zu übersetzen, sagt er ihnen etwas schönes. Zum Beispiel: szeretlek. Das ist alles andere als böse, es heißt nämlich „ich liebe dich“. Sobald unsere deutschen Kids das falsche Spiel erkannt haben, sind sie glücklicherweise ziemlich froh darüber – so eine Liebeserklärung kann ja auch ganz nützlich sein.

Tag 2 – am Stadtstrand

Nach der alltäglichen frühen Runde um den Kirchturm zeigten sich beim Training am Morgen die ersten Fortschritte bei den einheimischen Kindern. Besonders beim Korbleger – keine leichte Übung für Anfänger – stellten sich die meisten gar nicht schlecht an. Beim ein oder anderen hätte man glatt denken können, dass er oder sie schon länger trainiert. Auch die anfänglichen Sprachbarrieren konnten durch unsere Dolmetscher Aron und Botont, die aus München mitgereist sind, schnell überwunden werden.

Es ist immer wieder überraschend, wie sehr sich die rumänischen Kinder trotz Sprach- und sportlichen Schwierigkeiten anstrengen: Ob der Pass beim ersten Versuch sitzt oder nicht, ist egal, ob der Korb drin ist, auch – es wird einfach noch mal versucht. Während die deutschen Kinder sich zwischendurch immer mal wieder über das Niveau beschweren, zeigen auch sie meist vollen Einsatz. Sie müssen schließlich als Vorbilder agieren – die einheimischen Kindern lassen immer wieder durchblicken, dass sie zu den Deutschen aufblicken, weil sie im Basketball schon so routiniert sind.

Nach dem Training stand der erste größere Ausflug auf dem Programm: mit dem öffentlichen Bus ins Városi Strand – dem städtischen Schwimmbad von Skekelyudvarhely. Zwischen sonnenverbrannten Rentnern und halbstarken Heranwachsenden konnten die deutschen Campteilnehmer stundenlang ins Wasser springen, plantschen und Frisbee spielen.

Trotz ausgiebigem Ferienprogramm war noch etwas Energie übrig für das Spiel am Abend. Während zwei Teams auf dem Feld gegeneinander Basketball spielten, tobten sich die anderen beim Rugby aus. Basketball kann man schließlich nicht nur mit Basketball-Übungen trainieren.

Tag 1 – passen, rennen, plantschen

Ein langer, anstrengender und doch unglaublich aufregender erster Tag geht vorbei. Hier sind unsere Eindrücke:

Same same, but different – ein Wiedersehen

Basketball Leben_DSC2071Wir sind zurück in Bögöz, und es ist genau so schön und aufregend wie eh und je. Empfangen wurden wir, wie im vergangenen Jahr, von Irenke und ihrer Tochter Evi, die Besitzerinnen der kleinen Pension, in der wir wohnen. Sie hatten schon im Vorfeld alle Hebel in Bewegung gesetzt, um uns unterzubringen – die Unterkunft ist eigentlich nicht für so viele Gäste ausgelegt. Und unsere Gruppe ist gewachsen, weil dieses Jahr ein paar mehr erwachsene Helfer mit dabei sind – das Projekt wächst, immer wieder finden sich neue Menschen, die von Basketball Leben begeistert sind und vor Ort helfen wollen. Die Zimmeraufteilung verlief jedoch überraschend unproblematisch; vielleicht vor allem darum, weil alle nach dem langen Tag, den zwei Flügen und der zweieinhalbstündigen Busfahrt vor allem eines im Kopf hatten (nein, nicht das Essen): Basketball.

Noch bevor die Feuerstelle angeworfen wurde, musste also der neue Platz bestaunt und ausprobiert werden. Wie dribbelt es sich auf dem Asphalt? Sind die Körbe hoch genug? Sind die Linien da, wo sie hingehören? Auch wir, die im vergangenen Jahr die Spenden für das Feld gesammelt hatten, waren aufgeregt: Schließlich kannten auch die meisten von uns den Platz nur von den vielen Fotos.

Jegliche Sorgen, die in den vergangenen Monaten hin und wieder durch unsere Köpfe gegeistert waren, erwiesen sich als völlig unbegründet: Der Platz ist wirklich großartig geworden. Ein rundum solider, gut ausgestatteter Freiplatz, der sich auch locker mit den großen Feldern in München messen kann.

Für den ersten Abend waren die Kinder aus der Nachbarschaft eingeladen worden, mit uns zu essen und zu spielen. Nachdem der Platz sowohl von den deutschen als auch von den einheimischen Kindern einstimmig für echt cool erklärt worden war, konnte das erste Spiel starten – alle gegen alle. Wer den Ball hatte, versuchte ihn in den Korb zu befördern, Regeln, Aufstellungen und Systeme wurden erst einmal ignoriert.

Es fühlt sich gut an, wieder hier in Bögöz zu sein – für die, die bereits im letzten Jahr hier waren, aber auch für die, die Bögöz dieses Jahr zum ersten Mal sehen. Die Sonne scheint, die Zimmer sind gemütlich, und Irenke übertrifft sich wieder mal selbst, was die Verpflegung angeht. Am schönsten aber ist es, die mittlerweile vertrauten Gesichter zu sehen, von Barni, Bálint, Reni, Reka und all den anderen: Fast alle sind wieder dabei, um mit uns Basketball zu spielen, sich auszutoben und zu lernen. Sie wollen nächstes Jahr in der Szeklerliga antreten – es ist also höchste Zeit für ein paar Trainingseinheiten!

In den nächsten Tagen wollen wir nicht nur über das Camp und über die Kinder schreiben, die teilnehmen, sondern auch die vorstellen, die das Camp überhaupt erst möglich gemacht werden. Wir haben schon so viel über Irenke, Evi und Imi geschrieben – wir finden, dass es an der Zeit ist, dass auch ihr sie ein bisschen besser kennen lernt. Also bleibt dran – und meldet euch bei uns, wenn ihr Fragen oder Anregungen habt.

Gedanken zum Europa-Tag

Am 9. Mai ist Europa-Tag. Vor 65 Jahren entwarf der Franzose Robert Schuman seine Idee von einem vereinten Europa. Heute steht Europa für offene Grenzen, Grenzkontrollen sind Geschichte. Seit Januar 2014 können auch Rumänen ohne Einschränkungen in der EU reisen und Arbeit suchen. Aber wie steht es um die Grenzen in den europäischen Köpfen?

Wir glauben, dass längst nicht alle Grenzen abgebaut sind. Noch immer werden Arbeiter aus Osteuropa als “Armutsmigranten” abgestempelt, werden Einwanderer aus Rumänien (und Bulgarien) mit Vorurteile und Ressentiments willkommen geheißen. Parteien ziehen politisches Kapital, prognostizieren den Untergang des Sozialstaates und beschwören ein Bild von osteuropäischen Schmarotzern, die sich auf nach Westen machen, um dort auf Staatskosten ein entspanntes Leben zu führen.

Was nicht nur populistisch, sondern auch falsch ist: Die befürchtete Einwanderungswelle ist ausgeblieben. Die meisten Rumänen (und Bulgaren) zieht es nicht nach Deutschland, sondern nach Spanien oder Italien. Viele Zuwanderer aus Rumänien sind hoch qualifiziert, besitzen Master- oder Doktortitel. Die Arbeitslosenquote der Rumänen liegt unter der durchschnittlichen Arbeitslosenquote der ausländischen Bevölkerung. Rumänen beziehen weniger Sozialleistungen als andere Einwanderungsgruppen, zeigt das Gazelle-Magazin auf – und selbst im gesamten Durchschnitt zahlen Ausländer in Deutschland mehr Steuern, als sie an Sozialleistungen erhalten, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.

Und was ist mit denen, um die es wirklich schlechter steht? Die keine Schulbildung genossen haben, keinen finanziellen Rückhalt haben, den Zuständen im Heimatland entfliehen wollen? Lisa Caspari schreibt dazu in der Zeit:

Die sogenannten Armutsmigranten von Berlin und Duisburg sind übrigens zum ganz überwiegenden Teil nicht aus kriminellem Ehrgeiz hierher gekommen, sondern weil sie in ihrer Heimat keine Perspektive haben. Es darf nicht vergessen werden, dass viele von ihnen auch in Deutschland unter menschenunwürdigen Bedingungen leben: Für ein paar Stunden pro Nacht und für viel Geld „vermieten“ ihnen Ausbeuter eine Matratze in abbruchreifen Häusern. Und die Einwanderer müssen auf deutschen Baustellen für einen Hungerlohn arbeiten.

Und was hat das alles mit uns zu tun?

Die Aussagen, mit denen Parteien und Einzelne Ressentiments schüren, fassen in Unwissenheit und Unkenntnis des Einzelnen Fuß, in schlichter Ignoranz oder in Berührungsängsten – hier können wir ansetzen, denn Vorurteile können nur durch Begegnung, Austausch und Kennenlernen überwunden werden.

Wir wollen zum Umdenken anregen. Die Teilnehmer unseres Camps, Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren, gehen unvoreingenommen und mit offenen Augen aufeinander zu. Sie verstehen sich, ohne die Sprache des anderen zu sprechen, sind neugierig, begegnen sich vorurteilsfrei. Wenn sie Fragen haben, fragen sie. Zum Beispiel, warum es in Bögöz Familien gibt, die zu acht in zwei kleinen Zimmern wohnen und trotzdem einen Fernseher haben, oder warum viele Kinder nach der Schule mit ihren Eltern auf die umliegenden Felder fahren und dort arbeiten, statt zu spielen. Wir können diese Fragen nicht immer beantworten. Aber es ist gut, sie immer wieder zu stellen, sich für das Fremde, das Unbekannte, zu interessieren. Wir schaffen mit unserem Austausch eine Begegnung auf Augenhöhe. Wir fangen damit an, die verbleibenden Schranken in Europa abzubauen – und tragen so dazu bei, dass rumänischen Einwanderern auch hier, in Deutschland, weniger Vorurteilen begegnen.